Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an. (E.T.A. Hoffmann)
Seid Ihr "Herr der Ringe" Fans? Oder von guter Rock-Musik? Dann blättert weiter. Doch erst stell' ich mal ein paar CD's vor, von denen ich meine, dass sie anhörenswert sind. Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei den Empfehlungen um Anspieltipps handelt, deren Vervielfältigung durch Download, Speichern und Kopieren auf Datenträger untersagt ist.
CD-Tipp Juli 2010 Julie Doiron – I Can Wonder What You Did With Your Day Alles gute kommt aus Kanada (zumindest jede Menge guter Musik), doch selten nimmt man in Europa davon Notiz. So geht es auch der inzwischen 38jährigen Songwriterin Julie Doiron, die in Ihrer Heimat schon mehrere Preise abräumte, u.a. den Juno Award. Ihre erste Scheibe erschien schon vor 25 Jahren, aber erst 2007 wurde ihr „Woke myself up“ hierzulande zur Kenntnis genommen. Ob die aus meiner Sicht beste 2009er Veröffentlichung so etwas wie einen Durchbruch bringt bleibt dennoch zu bezweifeln. Die Mischung aus einer beinahe naiv klingenden Harmonie ihrer Lieder und der sparsamen, aber teilweise rauen, expressiven Instrumentalbegleitung aus von ihr selbst geschlagener akustischer oder E-Gitarre sowie Bass und Schlagzeug, die mal schweigen und dann wieder wirbeln und treiben, macht die Einmaligkeit des Konzeptes von Julie Doiron aus. LoFi Ästhetik eines lyrischen Songwriting („I’m living the life of dreams / with good people all around”) und schepperndes Fingerpicking (“I tell myself in this beautiful light / that I’m glad to be alive”) bilden sowohl Einheit als auch Kontrast, und viel zu schnell ist die Platte mit ihren 12 meist kurzen, 2-minütigen Liedern vorüber, und man kann getrost gleich noch einmal zum Anfang springen. Empfehlungen:
CD-Tipp Mai 2010 Cross Canadian Ragweed – Mission California Nach den CCR der frühen 70er gibt es wieder eine CCR, die einen locker-flockigen, leicht country-lastigen Rock zelebrieren, in Amerika Red Dirt genannt – hier am ehesten mit der Stadt Tulsa in Verbindung gebracht . Die 4 Jungs kommen demzufolge aus Oklahoma, und der Name der Band kommt von Grady Cross (Gitarre), Cody Canada (Gitarre und ein exzellenter Sänger), Randy Ragsdale (Drums), nur Jeremy Plato (Bass) ist nicht mit verewigt. Mission California ist bereits das sechste Studioalbum – doch in Europa haben sie wohl keine Lobby. Das Album bietet knalligen Gitarren-Rock gleich im Opener „Record Exec“ oder in „Smoke Another“, aber auch Balladen wie „Dead Man“ oder „Soul Agent“. Richtig relaxed wird es, wenn dann noch die Mundi in „The Years“ das ganze wie eine geniale Mischung aus Neil Young, Waylon Jennings und Lynyrd Skynyrd klingen lässt.
CD-Tipp Februar 2010 Lightning Dust – Infinite Light Lightning Dust sind die Sängerin Amber Webber und der Keyboarder Joshua Wells, in ihrem Hauptjob bei der kanadischen Indie-Rock-Band Black Mountain beschäftigt. 2007 starteten sie ihr Nebenprojekt Lightning Dust mit dem gleichnamigen Debütalbum. Minimalistischer Kammerrock, etwas folkig, düster und melancholisch. Ein wenig poppiger kommt Infinite Light, die neue Platte daher. Auch sie wird dominiert vom brüchigen, teilweise klagenden Gesang von Amber, der auf Dauer eine ziemlich düstere und deprimierende Stimmung verbreitet, andererseits hat er seinen besonderen Reiz und kann süchtig machen. Am ehesten mag ich sie mit Marianne Faithful vergleichen wollen. Irgendwie schaffen sie den Spagat zwischen schwülstigem Synthie-Pop und spartanischem Lo-Fi, und natürlich: es ist Wintermusik. Der nicht enden wollende Winter macht depressiv und öffnet den Geist für schwermütige Gefühle. Ich bin aber optimistisch, dass ich die Platte auch im Sommer noch gerne hören werde. Empfehlungen:
CD-Tipp Oktober 2009 Joanne Shaw Taylor – White Sugar Endlich wieder eine erfrischende Debüt – Scheibe. Im Zuge der 2009er Blues Caravan hat eine junge Lady aus England kräftig in die Seiten ihrer Fender Telecaster gegriffen, und das Ergebnis kann sich hören lassen. Und sehen lassen kann sich die blonde Joanne Shaw Taylor mit ihren 23 Jahren allemal. Zusammen mit David Smith am Bass und Steve Potts an den Trommeln lässt sie ihre Gitarre stets dominieren. Unter Ausnutzung des gesamten Griffbretts spielt sie den Zuhörer an die Wand. Auch als Sängerin kann sie sich hören lassen. Doch das ist eher Beiwerk, und so wartet man beim Titelsong „White Sugar“ vergeblich auf eine Textzeile. Es bleibt ein Instrumental, eigentlich ein gigantisches Gitarren-Solo. Und so kommt ein Stück nach dem anderen groovy, funky, heavy, aber immer mit einem Schuss Blues daher. Den Höhepunkt bildet „Time Has Come“, vergleichsweise ein Slow Blues, der alle ihre Klasse zum Vorschein bringt. Und wenn sie jetzt schon so spielt, was mag erst sein wenn sie doppelt so alt ist? Hoffen wir dass man ihr die Zeit zur Reife lässt, dass man dieses Juwel nicht im Kommerz verkommen lässt wie so manches Blues-Talent der letzten Jahre. Empfehlung:
CD-Tipp Juli 2009 Link Wray Ich habe keine Ahnung wieviele Liebhaber von Rockmusik mit dem Halbblut vom Stamme der Shawnee etwas anfangen können. Ich glaube aber dass Gitarrenschüler von ihm hören und bestenfalls auch lernen. Meine Begegnung war auch eher zufällig. Irgendwo hatte ich folgenden Ausspruch von Neil Young gelesen: "If I could return in time and see one band live, it would be Link Wray and the Ray Men”, und ich wurde neugierig. Fred Lincoln Wray jr. wurde 1929 in North Carolina geboren und gilt heute als das Bindeglied zwischen der Hillbilly-Musik der frühen und dem Rock’n’roll der späten 50er. Mit dem Instrumental „Rumble“ hatte er 1958 mit Platz 16 seinen einzigen großen Hit, später wurden noch „Rawhide“, „Apache“ und das in den 60ern viel gecoverte „Jack the Ripper“ bekannt. Als Folge des Koreakrieges hatt er einen Lungenflügel verloren und deshalb keine Gesangsstücke eingespielt. Später haben viele Musiker bekannt, dass es die Faszination von Link Wrays Gitarrenspiel war, die maßgeblich für eine Gitarristenkarriere verantwortlich war, wie z.B. Pete Townshend. Auch Bob Dylan greift letztlich als „Nestbeschmutzer“ zur E-Gitarre. Der Nonkonformist, der gebügelte Anzüge verabscheute und sich nicht die Haare schneiden ließ, passte nicht in das Konzept der Plattenfirmen. Erst 1970 nahm er in seinem eigenen primitiven Studio mit Hilfe seines Bruders Vernon die Platte „Link Wray“ auf, auf der er trotz seines Handicaps mit nicht gerade kräftiger, aber anrührender, manchmal nach Mick Jagger klingender Stimme arbeitet. Die Zeit des lärmenden, ungehobelt-authentischen Rock’n’rolls ist vorbei, die Platte wird von Kritikern als „eine der würzigsten Scheiben einfacher, gospelgefärbter Rockmusik" (L.A. Times) gelobt. Obwohl bis 1996 auf der Bühne, stirbt Link, der inzwischen mit seiner Frau in Dänemark lebt, 2005 ziemlich unbeachtet. http://www.rockabillyhall.com/LinkWray.html Empfehlungen:
CD-Tipp April 2009 The Dandy Warhols – Thirteen Tales From Urban Bohemia Wer Warhol mit Velvet Underground in Beziehung setzt wird bei einer Band, die sich Warhols Namen zu eigen macht, natürlich neugierig. Und wer noch zumal Fan von VU ist, wird von den Dandys nicht enttäuscht! Obwohl erst 1994 in Portland, Oregon, gegründet, ist ihre Musik tatsächlich eine Synthese von VU, den Stones und T.Rex, verpackt in die Performance einer der besten 2000er Gitarrenbands. Das jüngste Album „Earth to the Dandy Warhols“ galt der Kritik als (wieder) zu psychedelisch – aber was heißt das schon? Trotzdem habe auch ich mir zunächst mal das hochgelobte Meisterwerk „Thirteen Tales from Urban Bohemia“ auserwählt, und die 13 Stücke zeigen die ganze Bandbreite einer Band, die es irgendwie geschafft hat, trotz aller Genialität immer wieder verkannt zu werden. Mittlerweile scheint es zu ihrem Image zu Gehören, Erfolg zu vermeiden. Höhepunkt ist zweifellos das immerhin im Radio gespielte „Bohemian like you“, welches von der Kritik „als der beste Song, den die Rolling Stones nie veröffentlicht haben, gefeiert wurde. Aber eigentlich ist jeder Song besser als der andere, egal ob der psychedelische Opener „Godless“, das Gitarrenmonument „Nietzsche“, der mit Banjo aus dem Rahmen zu fallen scheinende und doch dazugehörende Country Song „ Country Leaves“, das rockig-urbane „Solid“ oder das infernalische „Horse Pills“. Auch der Ausklang mit den eher balladesk angehauchten „Big Indian“ und „The Gospel“, die noch einmal einen neuen Stil hereinbringen, kann sich hören lassen. Einziges Manko: der Gesang von Courtney Taylor (Taylor) ist manchmal etwas dünn. Trotzdem: In den 70ern hat man oft von sogenannten „Superalben“ oder Alben des Jahrhunderts gesprochen, heute scheinen diese ausgestorben zu sein. Die „13 Tales“ können aber getrost zu den besten Alben der Neuzeit gezählt werden. Empfehlungen:
CD-Tipp Februar 2009 Loudon Wainwright III – Album III In Europa, besonders in Deutschland, ist Loudon ziemlich unbekannt. Nachdem ich mal einen Kassetten-Mitschnitt vom Radio gemacht hatte hörte ich lange nichts mehr von oder über ihn. Und da ich seinen Namen nur vom Hören kannte bedurfte es einiger Recherchen, bis ich wusste, dass der mich schon beim ersten Hören faszinierende Singer – Songwriter Wainwright der Dritte hieß. Da es hier auch keine CD-Auswahl gab und die Scheiben, wenn überhaupt verfügbar, recht teuer waren, besorgte ich mir einige direkt aus den USA. Als Loudon mit 24 Jahren sein erstes Album herausbrachte (1970), auf dem er echte Folksongs nur mit Akustik-Gitarre zum besten gab, wurde er als der „neue Dylan“ gefeiert. Auf dem dritten Alben, welches ich hier besonders empfehlen möchte, spielt er mit Band: 2 E-Gitarren, Drums, Bass, Piano und eine Fiddle zaubern einen wunderschönen Sound zu seiner hohen, ausdrucksstarken Stimme, und auch French Horn, Mundharmonika, Banjo oder Steel Pedal kommen zum Einsatz. Seine Lieder sind selbstironisch, witzig, aber auch sozialkritisch. „used to have a red guitar till I smashed it one drunk night, smashed it in the classic form as Pete Townshend might. Threw it in the fireplace left it there a while…” heißt es in “Red Guitar”, welches auf seinen einzigen kleinen Hit “Dead Skunk” (Nummer 16 der US charts, Mai 1973) folgt. In 38 Jahren hat Loudon 25 Alben produziert, und er geht regelmäßig auf Tour, leider nur in den Staaten. Empfehlung: von Album I:
CD-Tipp Dezember 2008 Asa [asha] Die Euphorie einiger Fans, dass sie die Charts erobern wird, kann ich nicht teilen. Denn dafür ist ihre Musik einfach zu gut! (Bestenfalls Amy McDonald hat dieses Jahr das Zeug, mit guter Musik und Chartsplatzierungen aufzuwarten.) Mit einiger Verspätung komme ich nun dazu, eine der wohl besten Neuerscheinungen des Jahres zu würdigen. Die Nigerianerin Asa, 1982 in Paris geboren, wächst in Lagos auf und liebt die Musik. In Vaters Plattenschrank stehen Marvin Gaye und Bob Marley, aber auch afrikanische Stars. Nach der High School kehrt sie nach Paris zurück und macht sich in der Afro-Szene einen Namen mit eigenen Stücken, die sie mit der Gitarre begleitet. 2007 wird dann dieses Album aufgenommen. Zufällig sehe ich ihren Auftritt beim Jazz Baltica Festival und bin spontan begeistert! Die CD wird mein. Man kann sie in keine Schublade tun, auch wenn sie gern als neue Soul Sensation verkauft wird. Natürlich hat ihre Stimme den Soul, aber ihre Musik lässt mal Reggae und Blues, mal Funk und Folk anklingen, gewürzt mit einem Schuss Afro-Pop. Doch nichts ist dominant, die Songs lassen Raum für ihre Stimme, die in englisch-afrikanisch tief und sanft daherkommt, es ist Weltmusik vom feinsten. Empfehlung:
CD-Tipp August 2008 Fabienn Shine & the Planets Ich wollte eigentlich nur mal schauen, was aus Linda Perry, der Frontfrau der 4 Non Blondes geworden ist, da stieß ich auf den Namen Fabienne Shine, den ich noch nie zuvor gehört hatte. Ohne eine Rezension und ohne Anspielstück im Internet kaufte ich die 2008 erschienene Scheibe. Und gleich beim ersten Hören war ich überwältigt. Eine sensible Powerfrau, die sich nicht an der Mode orientiert, rockt hier mit unterschiedlichen Bandmitgliedern durch diverse Studios in Paris, New York und Hollywood. Wegen der ständigen Veränderungen in Raum und Zeit nennt sie das Bandprojekt Planets. Neben der klassischen Besetzung mit Gitarre, Bass, Drums und meist noch Piano / Orgel kommen in jedem Titel von Sitar bis Synthesizer kleine Schmankerl hinzu. Dass sie afro-französischer Abstammung ist und lange in Paris lebte merkt man an den orientalisch angehauchten "Life Is a symphony" und "In Shallah" mit Sitar-Begleitung, dass sie von Nicoentdeckt wurde und in den späten siebziger und achtziger Jahren mit Jimmy Page, Alice Cooper, Black Sabbath und AC/DC auftrat hört man am heavy sound von "Dancing for Eternity", psychedelisch wird’s bei "Mr. President" (mit Akkordeon) oder "Cruisin' on PCH" sowie dem Synthie-Sound "If I was a Planet". Und dass sie den Bogen von Heavy Metal bis zum New Soul von 2007 spannen kann zeigt ihre Version des Klassikers "River Deep, Mountain High" (der einzigen Nicht-Shine-Komposition), der einer Amy Winehouse zur Ehre gereichen würde. Das Album (ihr zweites nach 10 Jahren!) erzählt ihre Lebensgeschichte, schreibt sie im Booklet. Mag diese Geschichte nun öfter solche Super-Scheiben hervorbringen. Empfehlungen:
CD-Tipp April 2008 Bruce Springsteen – We shall overcome The Seeger Sessions 35 Jahre Musikgeschichte - der Boss bedarf wohl keiner Vorstellung. Mit seiner E Street Band hat er vor allem mit seinen Live-Auftritten für Furore gesorgt, nicht zuletzt 1988 in Ost-Berlin. 2005 und 2006 hat Bruce 16 Musiker in das Wohnzimmer seiner Farm eingeladen und – ohne irgedetwas zu proben – ein gutes Dutzend Lieder aus dem American Songbook von Folk-Legende Pete Seeger eingespielt. Mit Fidel, Banjo, Piano, Western-Gitarre, Posaune und Akkordeon wird munter drauflosgespielt und –gesungen. Aber wie! Hinreißend, mitreißend, die geilste Mugge aller Zeiten, wann hat man je so viel Spielfreude erlebt? Was die Session Band aus der angestaubten 65er Friedenshymne oder den Traditionals macht ist einfach genial. Springsteen geht es dabei nicht bloß um ein Denkmal für Pete Seeger, sondern um die Wurzeln der amerikanischen Musik überhaupt. Zu hören ist swingender&rockender Country&Folk Dixieland von nie gehörter Intensität und Lässigkeit. Man muss kein Fan vom Boss oder von Seeger sein, man muss weder Country noch Jazz mögen – aber wer diese Scheibe nicht mag dem ist nicht zu helfen! Der Soundtrack zum Melting Pott USA! Übrigens: die Scheibe enthält auf einer Seite die eigentliche CD, die andere Seite enthält einige Video-Clips, die genau so viel Spaß machen. Und es gibt mehrere Varianten der Scheibe, neben der Original-Version mit 13 Titeln eine Dual-Disc Version mit 15 und die besonders zu empfehlende, wegen des großen Erfolges nachgeschobene American Land Edition mit 18 Tracks. Empfehlungen:
CD-Tipp Februar 2008 The Monks – Black Monk Time Es gibt noch eine Steigerung. In der dunkelsten Ecke der Raritätenkiste liegt eine Scheibe, deren Cover ganz schwarz ist, und darauf steht in großen Lettern „monks“. Deshalb habe ich hier statt des Covers ein Foto eingestellt. Denn schon das Äußere der 5 GI’s aus Gelnhausen in Hessen ist anachronistisch, wie auch ihre Musik. Und ausgeflippte Musik liebte ich schon in meiner Kindheit, und als ich neulich mal in den Annalen unseres „1964 Greatest Who Fan Club“ blätterte (wir waren damals zwischen 12 und 15), stand in der Jahreswertung 1965 auf Platz 2 „Complication“ von THE MONKS. Dunkel erinnerte ich mich, dass es eine sehr „harte“ Beatscheibe war, doch alle Nachforschungen nach den Urhebern blieben erfolglos. Die Monks waren abgetaucht, weder in den Lexika von Julia Edenhofer noch bei Graf/Rausch fanden sie Erwähnung. Hatte ich das nur geträumt? Gab es die Monks wirklich? Und dann, inzwischen hatte ich alle Nachforschungen aufgegeben, kommt neulich im WDR ein Film: „Monks – The Transatlantic Feedback“, ein Film über 2 Jahre westdeutscher Musikgeschichte mit amerikanischem Hintergrund über eine Kultband. The Monks waren ausgegraben. Ihre Manager hatten ihnen Mönchstonsuren und schwarze Kutten verpasst, und sie sollten die Anti – Beatles werden. Mit brachialem, minimalistischem Rhythmus, lautem Gesang, kreischender Orgel und plärrendem Banjo erschreckten sie ihre Zuhörer. In der Hamburger Szene beliebt, kamen sie im restlichen Deutschland, vor allem im katholischen Süden, als Mönchsimitate mit Anti-Vietnam Liedern in Avantgarde – Verpackung nicht an. Dennoch erhielten sie einen Plattenvertrag, es erschien „Black Monk Time“ und 3 Singles, darunter jenes „Complication“, was wahrscheinlich auf dem Soldatensender „The Voice of America“ gespielt wurde und uns junge, harte Beatfans umhaute. Dann war es vorbei. Der ständige Druck, eine Rolle spielen zu müssen, gepaart mit Erfolglosigkeit, ließ sie 1967 auseinander gehen, und ihre Spuren verloren sich. Bis 30 Jahre später sich irgendwer erinnerte, man sprach davon dass Jimi Hendrix ihre revolutionäre Methode der elektronischen Rückkopplung übernommen hätte, sie wurden Kult, spielten 99 ein paar Konzerte (und eine neue CD "let's start a beat"), und heute kennt sie nicht nur Wikipedia. Empfehlung:
CD-Tipp Dezember 2007 John Mayall – Blues from Laurel Canyon Ich habe zu Weihnachten mal ganz tief in die Raritätenkiste gegriffen und eine reinrassige „weiße“ Blues – Scheibe herausgeholt. Gemacht hat sie der unsterbliche John Mayall, der 1963 im reifen Alter von 30 in London die Bluesbrakers gründete. In jener legendären Band lernten Eric Clapton und Jack Bruce (Cream), die 3 Gründer der Fleetwood Mac Peter Green, John McVie und Mick Fleetwood, sowie auch Dick Heckstall-Smith von den unvergessenen Colosseum und viele andere Rockstars ihr Handwerk. Im Sommer 1968 löst er diese Band mal auf und macht Urlaub in Kalifornien, in Laurel Canyon im Raum LA. Die Erlebnisse liefern den Stoff zu jener Platte, die in mancher Beziehung revolutionär ist. Sie stellt nämlich ein Konzeptalbum dar, wie es im Blues noch nie da gewesen ist. Es beginnt mit der Landung, Flugzeugpropellergeräusche gehen nahtlos in den Rhythmus von „Vacation“ über, und „Fly tomorrow“ markiert die Heimreise. Dazwischen berichtet er über seine Erlebnisse, die Begegnung mit Frank Zappa („2401“) oder Canned Heat („The bear“), und eine Liebesgeschichte mit einer unbekannten Mrs. James. Die Stücke gehen ohne Pause ineinander über, es ist ein Gesamtwerk aus 12 genialen Blues Tracks mit Mayall an den Keyboards (besonders die Hammond Orgel ist hörenswert), eingespielt mit Mick Taylor an der Gitarre, der dann zu den Rolling Stones geht, Stephen Thompson am Bass und Colin Allen (später „Stone the Grows“) an den Drums. 1969 kehrt Mayall übrigens nach Laurel Canyon zurück, baut ein Baumhaus und lebt dort bis 1979, wo es leider abbrennt. Doch er selbst und seine Musik lebt weiter. Die Scheibe zählte aus irgendeinem Grund nicht zu den Topsellern, sondern war immer ein Insider-Tipp, aber ein verdammt guter. Empfehlung:
CD-Tipp November 2007 Rockpile – Seconds of Pleasure Zufällig hab’ ich in einer Rockpalast – Wiederholung Rockpile gesehen. Die spielten einen so erfrischenden Rock’n’roll, dass ich weiter recherchierte und fündig wurde. Rockpile war von 1976 bis 1981 eine Liveband, die das Ergebnis langjähriger Bemühungen des GitarristenDave Edmunds war, einen Mix aus traditionellen Rock’n’roll, Rockabilly und Rhythm&Blues für eine neue Generation salonfähig zu machen. Edmunds, der 1970 seinen Superhit „I hear you knocking“ hatte und bereits 1968 mit seiner Band Love Sculpture und dem Charts Erfolg „Sabre Dance“ (nach Chatschaturian) seine Gitarren-Virtuosität unter Beweis stellte, veröffentlichte einige Titel unter dem Namen Rockpile, aber erst die Band mit Nick Lowe, Billy Bremner und Terry Williams trat als Rockpile auf und veröffentlichte 1980 das einzige Album „Seconds of Pleasure“. Die Veröffentlichung von 2004 ist um sieben Bonus Tracks erweitert, die aus dem Live-Repertoire der Band stammen und ihre Qualitäten erst richtig zur Geltung bringen. Besonders die Studioaufnahmen stehen im Erbe der Everly Brothers, geradlinig, dynamisch, voller Spielfreude. Nicht unbedingt eine legendäre Scheibe, aber ein kleines Schmankerl für’s CD-Regal. Empfehlung:
CD-Tipp September 2007 The Stooges Wer hat den Punkrock erfunden? Die Sex Pistols oder Clash? Den Begriff hat erstmals Lenny Kaye, Gitarrist bei Patty Smith (siehe unten) 1972 gebraucht. Doch hört man sich einige Bands der End-60iger an, haben sie den Stil schon vorweggenommen, natürlich Velvet Underground, aber auch MC5 und eben sie: die Stooges. Zwei Platten erscheinen 1969 und 1970 ohne kommerziellen Erfolg, dann ist die Band schon wieder am Ende. Auf „The Stooges“, produziert von Velvet- Bassist John Cale, bricht sich der brachiale Sound erstmals Bahn. Sieben mal lässt es der charismatische Frontmann krachen: Iggy Pop, ein Mann, der die ganze kurze Karriere der Stooges lang ständig an der Kippe zum durch Amphetamin und Wahn bedingten Kollaps zu toben und singen schien. Dazu die treibende, ungezähmte Gitarre von Ron Asheton, die scheppernden Drums von Scott Asheton und Dave Alexanders Bass. Die Riffs von „1969“, „I wanna be your dog“ oder „No fun“ lassen heutige Punkrocker doch ziemlich alt aussehen. Dazwischen das psychedelische „We will fall“, auf dem John Cale selbst Viola spielt. Alles in allem zeigt Iggy, der kurze Zeit später auf Betreiben von David Bowie noch mal die Stooges zusammenbringt und 2002 tatsächlich eine weitere Reunion zustande bringt, dass Punk nicht nur Lebenseinstellung ist, die es einfach krachen lässt, sondern auch hochwertige Musik sein kann. Nicht umsonst gelten die wenigen Stooges- Platten trotz ihrer Erfolglosigkeit als Meilensteine, die einen Stil geprägt haben. Übrigens gibt's auf der 2005er CD als Bonus noch 10 alternative Abmischungen der Titel, die teilweise sogar noch besser sind. Empfehlung:
CD-Tipp Juni 2007 Patti Smith - Twelve 61 wird die Punk-Ikone Patti Smith dieses Jahr, und vor 32 Jahren hat sie ihre erste Platte mit Ex - Velvet Underground - Keyboarder und Bassist John Cale produziert. Ein Jahr später folgt ihr einziger kommerzieller Erfolg, "Because the night" von und mit Bruce Springsteen. Doch seitdem zählt sie zu großen Idolen mit einer treuen Fangemeinde. Frisch aus der Presse liefert sie nun eine CD mit Coverversionen mehr oder weniger bekannter Titel aus den 60er bis 80er Jahren. Jimi Hendrix (Are you Experienced), Jefferson Airplane (White Rabbit), The Rolling Stones (Gimme Shelter) und die Doors (Soul Kitchen) sind die eher bekannteren, die man begierig aufsaugt, und natürlich Neil Youngs Helpless in einer doch eher sehr eigenen Interpretation, welche die Sentimentalität des Originals noch verstärkt.. Hilflos, so hilflos ist man auch, wenn man sich fragt, warum Patti gerade diese Songs ausgewählt hat. Tears for Fears, ein unbekannter Harrison-Song von den Beatles, Paul Simon, Stevie Wonder, die Allman Brothers lieferten die übrigen Originale. Höhepunkt ist Nirvanas "Smells like teen spirit". Die Gründe für die Auswahl liefert sie im Booklet: bei Nirvana fand sie die Lyrics so toll, Grace Slick war die beste weibliche Stimme, von Soul Kitchen hat sie geträumt - meist waren es Kleinigkeiten. Auch wenn Patti auf diesem Album nicht mehr mit der brachialen Urgewalt ihrer Jugendalben daherkommt, haben die Songs Charakter. Als Coverversionen lehnen sie sich mal ans Original an, mal sind sie weit entfernt davon. Mit ihrer Stimme verleiht sie allen 12 Stücken ihr eigenes Flair. Man wird dieses Album öfter hören wollen. Empfehlung:
CD-Tipp März 2007 Colosseum Live Zuerst eine schlechte Nachricht: am 18.12.2004 verstarb Dick Heckstall-Smith an Krebs. Und nun die gute Nachricht: seit 1994 gibt es sie wieder, die wohl unbeachtetste Super-Group der Rock – Geschichte. Colosseum touren wieder in der legendären Live- Besetzung von 1971, als die vorliegende Platte erschien! (Nur Heckstall-Smith, der begnadete Saxophonist (er spielt bei seinen Soli Tenor- und Sopran-Sax gleichzeitig) wurde durch Barbara Thompson, Ehefrau von Jon Hiseman, dem Bandgründer, ersetzt.) Hiseman glänzt mit druckvollem Schlagzeug, Dave Greenslade lässt die Orgel röhren, und Clem Clempson bearbeitet die Gitarre so psychedelisch, dass Jimi Hendrix grüßen lässt. Und nicht zu vergessen die lautmalerischen Einlagen von Chris Farlowe, der sich mal den Blues von der Seele schreit und dann wieder eine Jodeleinlage gibt, aber immer mit der brodelnden Spielfreude der Musiker Schritt hält, sie nach vorne treibt. Ja, was soll man sagen? Blues – Rock (“Stormy Monday Blues”), Jazz – Rock (“Walking in the park”), eine Schublade gibt es nicht. “Skelington”, “Tanglewood 63” und das phantastische “Lost Angeles“ dokumentieren eine geniale Fusion der Stile, bei denen das Rock-Element als treibende Kraft ganz klar dominiert. Obwohl die Bandmitglieder mit Graham Bond, John Mayall, John McLaughlin, Humble Pie und anderen in Verbindung gebracht werden müssen und zu den allergrößten ihres Faches gehören ist es nach diesem Album still geworden. Hiseman hatte erkannt, dass eine Steigerung nicht mehr möglich ist! Deshalb gibt es nur ein Fazit: Colosseum live ist ein Meilenstein der Rockgeschichte und eines der besten je gemachten Alben! Wem Colloseum live von 71 zusagt, der sollte auch in die 94er Reunion edition reinhören und -schauen (CD/DVD set). Im April 2007 tourten sie durch Deutschland, und sie spielten 35 Jahre später dieses Programm mit der gleichen Freude wie einst, was auch auf der Rarität "Colosseum live 05" zu hören ist. Empfehlung:
CD-Tipp Dezember 2006 Loreena McKennitt – An Ancient Muse Diesmal fiel die Wahl zwischen drei tollen Scheiben ziemlich schwer, aber letztlich hat das Klischee gesiegt, zu Weihnachten darf es etwa besinnlich sein. Und da passt diese weltreisende Lady mit ihrer jede Genre-Grenzen überwindenden celtic world music einfach phantastisch: Loreena McKennitt, Jahrgang 57, in Manitoba geboren, im Schmelztigel der Kulturen Toronto lebend, wenn sie nicht auf Reisen ist. Und an einer solchen Reise lässt sie uns teilhaben auf An Ancient Muse. Griechenland, die Türkei, China und zurück bis nach Schottland sind die Stationen, und überall spürt sie den keltischen Wurzeln nach, verwoben in orientalische Klangteppiche. Es ist einfach genial, wie sie Weltkultur in Weltmusik verwandelt, dabei auch Musiker aus aller Welt mitwirken lässt und von E-Gitarre bis zu Gambe und Lyra ein weitreichendes Instrumentarium in einer harmonischen, meditativen Tonsprache vereint, überlagert von Loreenas glockenheller Stimme. Was soll man hier hervorheben? The english Ladye and the knight, Beneath a Phrygian sky, Caravanserai – man müsste alle 9 Songs aufzählen. Und man bedauert, dass nach 55 Minuten alles vorbei ist. Empfehlungen:
CD-Tipp November 2006 The Who – Who’s next Der eine oder andere mag ja die Fernsehserien von CSI anschauen und von den markigen Titelsongs begeistert sein, ohne deren Urheber zu kennen. Wer zu meiner Generation gehört und Rockfan ist weiß natürlich Bescheid: Die Songs sind von The Who! Mit 15 war ich ultimativer Who-Fan, und wenn ein Radiosender die BeeGees oder anderen „Schnulz“ spielte wurde sofort weggedreht... Die psychedelische Mods-Hymne „My Generation“ war der ultimative Kick. Und The Who waren eine Band der Superlative, nur die Stones konnten sich noch mit ihnen messen. 1971 erschien mit Who’s next ein Album, welches Kritiker als einen Meilenstein der Rock-Geschichte bezeichneten. In UK auf Platz 1, in den USA nur auf 4, aber nach dem Album „Tommy“, mit dem The Who Geschichte geschrieben haben, ist musikalisch noch eine Steigerung gelungen. Die neu gemasterte CD von 1995 bietet ausgezeichnete Klangqualität und 7 Bonus-Tracks. Höhepunkte sind natürlich die CSI-Intros „Baba O’Riley“ und „Won’t get fooled again“, aber eigentlich gibt es keinen einzigen Hänger, und die Bonus-Version von „Behind blue eyes“ als letzter Track kommt viel zu früh, man möchte mehr! Pete Townshend an den Gitarren sowie auch mit Synti-Einlagen, John Entwistle am Bass, Roger Daltreys Stimme und der geniale Keith Moon an den Schlagzeugen sind auf ihrem Zenit angekommen – wie die Rockmusik überhaupt. Empfehlung:
CD-Tipp September 2006 Joel Harrison – Free Country Irgendeine Rezension hat mich neugierig gemacht, da hab ich mir diese Scheibe gekauft. Songs von Johnny Cash oder Woody Guthrie, und die vielgelobte Pianistin Norah Jones dabei, das konnte doch nicht schlecht sein. Joel Harrison sagte mir bis dato nichts. Und es hat sich gelohnt! Eine tolle Mischung, in der Country-Klassiker reichlich ungewohnt in free jazz Arrangements mit Boogie-Woogie Piano und Violin – Melancholie daherkommen, oder wie bei Cashs Folsom Prison Blues mit rauer R&B-Gitarre. Und überall der energiegeladene Beat einer gewissen Mrs. Alison Miller an den Drums. Ein Highlight ist die Version des Tennessee Waltz, Norah Jones Stimme schwingt sich über sanft dahinplätschernde Bassbegleitung, sparsam mit Gitarre, Saxophon, Violine und Akkordeon gewürzt. Überhaupt, die Jones, Grammy - Gewinnerin und Tochter von Ravi Shankar, sie dient hier als Zugnummer und ist wirklich eine verdammt gute Sängerin, die gern die Jazz-Schublade aufstößt und einfach tut, was ihr Spaß macht. Doch die Musik dieser Scheibe hat Harrison gemacht, ein experimentierfreudiger amerikanischer Gitarrist. Sie wird 2003 zuerst auf einem deutschen Jazz-Label veröffentlicht und räumt gleich ein paar Preise in Deutschland ab, bevor sie in Amerika erscheint. Jazzkritiker machen lange Gesichter – kein visionärer Jazz. Aber die Scheibe heißt nicht ohne Grund Free Country. Harrisons Bearbeitungen amerikanischer Traditionals sind originell und abwechslungsreich und für den, der einfach nur gute Musik sucht, ohne eingefleischter Jazz-Fan zu sein, eine echte Bereicherung. Und dann kann man sich gleich noch The little Willies zulegen... Empfehlungen:
CD-Tipp Juli 2006 Greg Graffin - Cold as the Clay Country – dargeboten von Rock-, Pop- und Jazzgrößen - ist in letzter Zeit angesagt, wie man an der Vielzahl von Veröffentlichungen erkennen kann. So wollte ich hier eigentlich die neueste Scheibe Roadrunning von Mark Knopfler vorstellen, die er zusammen mit Emmylou Harris eingespielt hat und ein echter Ohrwurm ist. Aber dann dachte ich, dies hieße Eulen nach Athen tragen. Auch Springsteene oder Norah Jones mischen mit. Dann kam mir der Bad Religion's Sänger Greg Graffin in die Hände. Wie auch seine berühmten Kollegen nimmt sich Graffin, produziert von seinem Bad Religion Kollegen Brett Gurewitz, neben einigen neuen Songs alte amerikanische Traditionals, Folk und Country Songs vor. Diese werden standesgemäß mit Fiddle, Banjo und Harp eingespielt, unterstützt von den Weakerthans und Julie Holland. Graffin will an seine Wurzeln, seine Kindheit in Wisconsin und Indiana erinnern. Die Eigenkompositionen kommen vergleichsweise rockig daher. Das macht auch das Problem dieser Scheibe aus: Sie ist schön anzuhören, aber irgendwie fehlt der Rahmen, der alt und neu zusammenhält. Trotzdem eine schöne, sehr zu empfehlende Platte, die eine ganz andere Seite eines Punk Rock Singers zeigt. Fans von Bad Religion sollten sich die Platte vor dem Kauf jedenfalls anhören... Empfehlung:
CD-Tipp März 2006 Gentle Giant - Aquiring the taste Allein wenn man die Liste der Instrumente durchgeht, welche die 6 Musiker auf diesem ihrem zweiten Album erklingen lassen, wird klar, dass es sich hier nicht um Rockmusik im üblichen Stil handelt. 6-String- und 12-string Gitarre, E-Piano, Orgel, Mellotron, Vibraphon, Moog, Celesta, Klavichord, Cembalo, Alt-Sax, Tenor-Sax, Klarinette, Trompete, Bass, Violine, Viola, E-Violine, Tamburin, Gongs, Kuhglocken, Maracas – und mehr. Progrock hieß es 1971, als die Scheibe erschien. Symphonisch-Polyphoner Kammerrock sagen Kritiker heute. Ja, die freundlichen Riesen zelebrierten einen Stil, der seinesgleichen suchte. Jazzige und klassische Elemente, mehrstimmiger Gesang, und insgesamt sehr abwechslungsreich. Die Platte enthält auch das einzige Stück, was einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, „Wreck“, denn GG produzierte nicht für Hitparaden, sondern für eine kleine, dafür um so mehr begeisterte Fangemeinde. Das besondere an der 2006er Auflage vom Repertoire Label, die auf nur 3000 Stück limitiert ist, ist das aufwändige Remastering. Klarer, sauberer und dabei dynamischer Sound, anders als bei vielen remasterten CDs, bei denen nur entrauscht wurde und das Ergebnis fade und flau klingt, hat hier jemand (er bleibt auf dem Cover unerwähnt) in liebevoller Kleinarbeit alles rausgeholt, was ursprünglich drin war. Und auch die Aufmachung zeigt die Liebe zum Detail, statt einer CD Box wurde das Original-Klappcover der Platte auf CD-Größe geschrumpft und mit einem Text-Booklet versehen. Alles in allem ein Juwel, jedoch nicht für jedermanns Ohren. Empfehlungen:
CD-Tipp Februar 2006 Neil Young - Prairie wind Am 12. November 2005 wurde eine Rocklegende 60. Altstar Neil Young hat in seiner bis heute anhaltenden Karriere ca. 40 Alben eingespielt. Sein aktuelles Werk „Prairie Wind“ ist ein intimes, warmes, aber auch konservatives Album, es kommt daher wie der sanfte Prärie-Wind. Aufgenommen in Nashville, setzt es die Tradition von Harvest und Harvest Moon fort. Countryfolk - geprägt die Musik, ohne Effekthascherei, zärtlich und manchmal durch allzu viel Gospelchor und Bläser etwas schwülstig – der echte Fan hätte sich hier vielleicht eher etwas mehr Zurückhaltung gewünscht. Ebenso uramerikanisch sind die Texte: Bisonbevölkerte Weiten, der Tod des Vaters, die Kindheit und Gott. Insgesamt ist die Stimmung von Tod und Vergänglichkeit gezeichnet, aber immer noch blickt Neil nach vorn. Und so heißt es auf dem ersten Song: "It’s a long road behind me, it’s a long road ahead…" Und das der “alte Mann” auch vor technischen Neuerungen nicht zurückschreckt, beweist er dadurch, dass der normalen CD noch eine DVD beigelegt ist, auf der unter anderem alle Songs noch mal in PCM 96kHz Audioformat für allerhöchste Qualitätsansprüche zu finden sind. Empfehlung:
CD-Tipp Januar 2006 Alvin Lee & Mylon Lefevre On the Road to Freedom Je öfter ich diese Scheibe höre desto mehr begeistert sie mich. Die älteren erinnern sich bestimmt noch an die britische Band Ten Years After und an deren Front-mann Alvin Lee. Spätestens seit Woodstock galt „Speedfinger“ als schnellster Gitarrist der Welt. Doch irgendwann war es auch an Alvin, über Soloprojekte nachzudenken. Und so entstand 1974 dieses Album, welches endlich auch als CD vorliegt. Und was für eine! Ich hätte es nicht geglaubt – nichts mehr von den rasenden Gitarren-Monologen, die TYA und eben Alvin berühmt gemacht hatten. Nein, "On the road to freedom " ist ein Meilenstein in Sachen Country Rock, wunderschönes Songmaterial, eine gekonnte Mischung aus Rock, Blues und Country, nie langweilig. Die Songs sind entweder von Lee selbst oder dem Gospelsänger Mylon Lefevre, sie teilen sich in die Gesangsparts und ergänzen sich prächtig. Eine Ausnahme gibt es, „So sad (No love of his own)“ stammt aus der Feder von George Harrison. Und wenn man das Inlay aufblättert, ist man überrascht, in welch illustrer Runde das Album eingespielt wurde! Eine All Star Band mit Steve Winwood, Mick Fleetwood, Jim Capaldi, Tim Hinckley, Ron Wood und eben George Harrison selbst bedient die Instrumente. Alvin Lee scheint hier wirklich den Schlüssel zu einem für ihn völlig neuen, aber erstklassigen Sound gefunden zu haben. Leider – aber das macht dieses Album besonders wertvoll - währte diese Meisterleistung nur dieses eine Album lang. Eine Fortsetzung dieser hervorragend in Szene gesetzten "On the road to freedom" Geschichte gab es leider nicht, auch wenn er auf späteren Solo-LPs immer mal wieder mit solchen „amerikanischen“ Anleihen aufwartet. Übrigens: die 30 Jahre hört man diesem Werk keineswegs an, es könnte auch gestern aufgenommen worden sein! Empfehlungen:
CD-Tipp November 2005 Moya Brennan - Two Horizons Kennt Ihr Moya Brennan? Nein? Vielleicht aber wenigstens ihre jüngere Schweste Enya, bekannt durch den Single-Hit „Orinoco Flow“ und den Sound Track zum „Herrn der Ringe“. Bereits seit den 70ern macht Moya mit der Band Clannad, gegründet von Mitgliedern ihrer Familie, Irish Folk als Sängerin und Multiinstrumentalistin, zum Beispiel mit der Harfe. Später gehört auch die 9 Jahre jüngere Enya zur Band, die jedoch als erste den Weg zu einer Solokarriere startet. Seit 1992 veröffentlicht Moya auch Soloalben. Mit „Two Horizons“ legt die sympathische Irin mit der großen Stimme nun ihr erstes Konzeptalbum vor. Es ist die Geschichte einer Reise, einer Suche nach einer Harfe, die über magische Fähigkeiten verfügt und in altvorderer Zeit bei Tara, dem heiligen Versammlungsort der alten irischen Hochkönige gespielt wurde. Die Harfe steht nicht nur im Mittelpunkt der Handlung von "Two Horizons", sondern übernimmt auch die musikalische Federführung. Dazu gesellen sich eine Vielzahl für die irische Folklore typischer Instrumente, wie Fiddle, Bodhran, Drehleier, diverse Pipes und Whistles. Teils in detailverliebten Soloarrangements, teils in opulentem Zusammenspiel als keltisches Orchester weben sie den Teppich, von dem aus sich Moyas vortreffliche Stimme erhebt und in ätherische Sphären entschwebt. Ruhige, atmosphärische Klänge voller Emotionen beherrschen "Two Horizons", ein Album aus einem Guss, ein knapp sechzigminütiges Gesamtkunstwerk, eine wahre 'Celtic Symphonie', an der neben Moya weitere 22 Musiker mitgewirkt haben. Empfehlung:
CD-Tipp September 2005 Turin Brakes - Jack In A Box Turin Brakes ist ein seltsamer Name für eine Band, die aus England stammt und mit Italien und FIAT nichts am Hut hat. Das junge Duo Olly Knights und Gale Paridjanian beginnen ihre gemeinsame Karriere 1999. Bald überzeugen sie mit ihren Liveauftritten die englische Musikpresse und veröffentlichen 2001 mit "The Optimist LP" ihr erstes Album. Dank Knights warmer, sinnlicher und gleichzeitig etwas rauer Stimme sowie Paridjianians Folk-Gitarre wird es zum Überraschungserfolg. Das Nachfolgealbum "Ether Song" erscheint 2003. Erwartungsvoll mit Lorbeeren überschüttet, ist es aufwändiger produziert und von einer gefestigten Fünf-Mann-Band in Los Angeles eingespielt. Für ihr drittes Album richten sie sich in einem Londoner Keller ein Aufnahmestudio ein, stopfen es mit einem Sammelsurium an Instrumenten voll und lassen ihrer Kreativität freien Lauf, ohne auf Dritte angewiesen zu sein. Das selbst geschriebene, selbst eingespielte und selbst produzierte "JackInABox" erscheint im Frühsommer 2005. Empfehlung: