Richard Wagners Musik ist viel besser als sie klingt. (Mark Twain)
J.R.R. Tolkien (1892-1973), Vater der Hobbits
Viele haben die phantastische Filmtrilogie über den "Herr der Ringe" gesehen. Doch kann ich jedem nur empfehlen, sich auch die Bücher zur Hand zu nehmen.
Tolkiens Werk ist vergleichbar mit dem mythologischen Wissen eines ganzen Volkes. Natürlich haben keltische und germanische Mythen Pate gestanden, auch Geschehnisse der Weltgeschichte, wie die Einfälle wilder Reiterhorden aus dem Osten. Sogar Anklänge an die modernen totalitären Systeme findet man wieder. Gerade deshalb ist es faszinierend, wie ein einzelner Mensch sich eine derartige völlig eigene Welt mit eigenen Göttern, Sagen, Orten, Gestalten, Sprachen ausdenken konnte.
Der Herr der Ringe, Tolkiens Hauptwerk, erzählt die Geschichte des immer wiederkehrenden Sieges des Guten, verkörpert durch die Allianz der Elben und Zwerge mit den Menschen, über alle bösen Mächte, wobei Frodo Beutlin, ein Hobbit, zur zentralen Figur wird.
Der (kleine) Hobbit ist die Vorgeschichte zum Ringkrieg, es wird berichtet, wie Bilbo Beutlin während seiner Abenteuer in den Besitz des Ringes kommt.
Das Silmarillion erzählt die Sagen von den Anfängen der Welt, den Göttern Mittelerdes, der Erschaffung der Elben und Menschen sowie der Zwerge und anderer Wesen, aber auch von der Entstehung des Bösen. Und es berichtet, wie die Ringe geschaffen wurden.
Die Bücher der verschollenen Geschichten sind Tolkiens erste Variante über die Mythologie Mittelerdes, die 50 Jahre später im Silmarillion vollendet wird.
In den Nachrichten aus Mittelerde wird die Verbindung hergestellt zwischen den Anfängen der Welt, dem ersten Zeitalter, dem von Elben beherrschten zweiten Zeitalter und dem Geschehen um die Ringe der Macht im dritten Zeitalter, als die Herrschaft der Menschen anbricht.
Rund um Tolkien gibt es noch zahlreiche Werke, die dem Verständnis dieses Lebenswerkes dienen, Atlanten von Mittelerde, Lexika über die Gestalten, die Sprachen u.s.w. Besonders verdient gemacht um das Werk Tolkiens in Deutschland hat sich der Klett-Cotta-Verlag.
John Ronald Reul wurde 1892 in Südafrika geboren. Seine Familie kommt ursprünglich aus Sachsen. Der frühe Tod des Vaters und, als er 12 war, auch der Mutter, waren vermutlich Auslöser für eine pessimistische, religiöse Lebenseinstellung, die nach dem Tod seiner Jugendfreunde, mit denen er einen literarischen Zirkel gebildet hatte, während des ersten Weltkrieges noch vertieft wurde. Die Welt war ständig im Machtbereich des Bösen, dem sich das Gute in einem ständigen Kampf entgegenstellen musste.
„Einmal versuchte ich, ein Laster einzuschränken. Eine Zeitlang ging das ziemlich gut. Ich gelobte, nur eine Zigarre täglich zu rauchen. Ich ließ die Zigarre bis zur Schlafenszeit warten, dann genoß ich sie schwelgerisch. Aber die Begierde verfolgte mich täglich und stündlich; und so ertappte ich mich noch vor Ablauf einer Woche dabei, daß ich größere Zigarren suchte, als die ich bisher geraucht hatte; dann noch größere und noch größere. Binnen vierzehn Tagen ließ ich mir Zigarren anfertigen – noch größere Exemplare. Sie wuchsen immer noch weiter. Binnen eines Monats war meine Zigarre zu solcher Größe angewachsen, daß ich sie als Krücke hätte gebrauchen können. Dann fand ich, daß die Beschränkung auf nur eine Zigarre keinen echten Schutz vermittelte, schlug mein Gelübde in den Wind und gewann meine Freiheit wieder.“ Diese hübsche Geschichte stammt von einem gewissen Samuel Langhorne Clemens. Er hatte erkannt, dass nicht das Laster selbst, sondern die Begierde bekämpft werden müsse. Weiter kann man hierzu auf den ersten Seiten seines Buches Reise um die Welt lesen: „Das schien eine brauchbare Therapie zu sein; und ich empfahl sie einer Dame. Sie war gesundheitlich immer weiter heruntergekommen und hatte schließlich einen Zustand erreicht, da Medikamente nicht mehr wirkten. Ich sagte, ich wisse, daß ich sie binnen einer Woche wieder auf die Beine bringen könne. Das munterte sie auf, das erfüllte sie mit Hoffnung, und sie sagte, sie werde alles tun, was ich ihr rate. Also sagte ich, sie dürfe vier Tage lang nicht fluchen, trinken, rauchen und essen, und dann werde sie wieder wohlauf sein. Und es wäre genau so gekommen, das weiß ich; aber sie sagte, sie könne Fluchen, Rauchen und Trinken nicht aufgeben, weil sie so etwas noch nie getan habe. Da hatte sie es. Sie hatte ihre Laster vernachlässigt und besaß nun keine. Jetzt, da man sie hätte brauchen können, waren keine da. Sie konnte auf nichts zurückgreifen. Sie war ein sinkendes Schiff ohne Fracht, die man hätte über Bord werfen können, um dadurch das Schiff zu erleichtern. Ja, selbst eine oder zwei kleine schlechte Angewohnheiten hätten sie retten können, aber sie war moralisch einfach eine Bettlerin. Als sie diese Laster hätte erwerben können, hatten ihre Eltern sie davon abgebracht, unwissende Leute, wenn auch in der besten Gesellschaft aufgewachsen, und jetzt war es zu spät anzufangen. Es war ein rechter Jammer; aber es gab keine Abhilfe. Man sollte sich um diese Sachen kümmern, solange man jung ist; sonst ist, wenn Alter und Krankheit sich einstellen, nichts Wirksames da, um sie zu bekämpfen.“
Das Pseudonym dieses Mannes war Mark Twain, und der ist wohl den meisten als der Autor der Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn bekannt. Doch er ist keineswegs ein Kinderbuchautor, nicht nur weil die Geschichten der beiden Jungen weit mehr als bloße Unterhaltung für junge Leser bieten. Bekannt wurde der 1835 geborene Erzählkünstler durch seine humoristischen Geschichten, die seit den 1860er Jahren in Zeitungen und Wochenblättern erscheinen (Der berühmte Springfrosch von Calaveras) Nach der Kindheit in Hannibal am Mississippi, wo er bereits mit 13 eine Lehre als Setzer absolvierte, wird er Lotse auf dem Strom, der nicht nur die Kulisse für Tom und Huck’s Abenteuer bildet, sondern in dem Buch Leben auf dem Mississippi als wichtige Lebensetappe in den Mittelpunkt gerückt wird. Aus der Lotsensprache stammt auch sein Pseudonym. Besonders erfolgreich sind seine humoristischen Reiseberichte Die Arglosen im Ausland, Bummel durch Europaund die Romane Der Prinz und der Bettelknabe und Ein Yankee an König Artus’ Hof, die später auch verfilmt wurden. Twain erlebt alle gesellschaftlichen Höhen und Tiefen. Aus einer verarmten Familie kommend, die selbst noch Sklaven hielt, über Goldgräber, erfolgreicher Journalist, Verlagsbesitzer mit einem großzügigen Lebensstil endet er in Verschuldung und stirbt gesundheitlich angeschlagen 1910.
Noch besser als seine Schriften waren seine Reden, die er als Vortragskünstler auf zahlreichen Reisen hielt, die ihn nach Europa und um die ganze Welt führten. Mehrfach gelang es ihm, sich mit Vortragsreisen aus prekären wirtschaftlichen Lagen zu befreien, in die er sich durch Spekulationen gestürzt hatte. Die schlechten Erfahrungen, die er als „Geschäftsmann“ machte, trugen sicher nicht unwesentlich zu seiner immer schärferen Kritik am „American Way of Life“ bei. Er verfasst sogar antiimperialistische Aufsätze wie Die vereinigten Lyncherstaaten. Bissige, schonungslose Kritik, eingebettet in Humor, getragen von einer tiefen Liebe zu Mensch und Tier – das macht das Werk dieses großes Moralisten und humanistischen Denkers aus, der trotz zunehmender Anerkennung zu Lebzeiten erst nach seinem Tode in die erste Riege der ganz großen amerikanischen Künstler aufgenommen wurde. “Die ganze moderne amerikanische Literatur stammt von einem Buch von Mark Twain ab, das Huckleberry Finn heißt... Vorher gab’s nichts. Danach hat es nichts gleich gutes gegeben“ (Hemingway 1935)