Drei Tugenden der Weisheit: Aller Dinge gewahr zu sein - Alle Dinge zu ertragen - Von allen Dingen entfernt zu sein (The Book of Barddas)
Hallo, Ihr seid auf der privaten Homepage von Jochen & Ramona Bonitz aus Pleißa gelandet! Wir bieten hier allerlei Themen quer durch den Gemüsegarten an. Dabei geht es beileibe nicht bloß um Gartentipps und unsere Hunde, auch unsere Familie mit den Enkelkindern liegt uns am Herzen. Literatur- und Musik- Infos gibt es zum Beispiel zu Tolkien , Lou Reed oder Van Morrison. Und als Geheimtipp: HvG. Außerdem wollen wir mit einigen unserer Reiseziele bekannt machen, die wir vor allem wegen schöner Landschaften und guter Wandermöglichkeiten auswählen. Es gibt Fotoalben mit Bildern aus Island, Madeira, dem Tannheimer Tal und anderen Regionen zu sehen, aber auch nützliche Tipps. Ruhig ab und zu reinschauen, es gibt immer mal was Neues...
Übrigens: alle roten und unterstrichenen Stellen sind Links auf eigene oder fremde Seiten. Ausprobieren...
!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Kommentar der Woche: (Wenn Du einen Kommentar zu den Kommentaren hast, schicke einfach eine e-mail oder gehe ins Gästebuch. Jede Meinungsäußerung wird veröffentlicht)
09.05.2008 – Das Eva-Prinzip Als Eva (Herrmann) Herman 2007 beim NDR gefeuert wurde, habe ich sie ein wenig bedauert, denn ihre Äußerungen als Nazi-Verherrlichung zu betrachten war wohl sehr weit hergeholt, mir schien eher das Gegenteil plausibel. Leider waren ihre Worte sehr verworren, und heute glaube ich, dass sie wirklich etwas verwirrt ist. Ihre Kampagne für die Frau am Herd nimmt langsam bizarre Züge an. „Die kollektive Betreuung scheint zum Staatsziel zu werden“ wettert sie wider besserer Angebote zur Kinderbetreuung. Sie vergleicht Kitas mit Legebatterien und behauptet, dort hätten Kinder weniger Raum als Legehennen. Nun, die Kindergärten, die ich kenne, sind alle sehr schön, und – kaum zu fassen: die Kinder gehen gern dorthin! Schöne Kindergärten sind vielleicht ein Standortvorteil des Ostens, ein Relikt einer furchtbaren Vergangenheit? Und Kinder, die gern dahin gehen, tragen wahrscheinlich noch irgendwelche DDR-Gene in sich, von Müttern, die auch mal gern dahin gegangen sind, wie furchtbar. Nur mal nebenbei, damals durften übrigens die Erzieherinnen die Kinder noch erziehen, was heute leider nicht mehr der Fall ist. Das könnte ja schon ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Kinder – vor allem aber der Eltern – bedeuten. Natürlich wurde den Kindern damals nicht den ganzen Tag das kommunistische Manifest eingebläut, wie heute manche „Experten“ den staunenden West-Bürgern weis machen wollten, denn die meisten Erzieherinnen waren auch bloß Menschen – ja, außer IM’s gab es auch Menschen... Eines vergisst Frau Herman auf jeden Fall: ihr gottgewolltes Weltbild einer Familie, mit einem Vater, der den Lebensunterhalt verdient, einer Mutter, die ihrem lieben Mann das Essen macht und sich rührend um zwei oder drei, manchmal auch sieben Kinder kümmert, ist erst im Kapitalismus geboren worden, als Fabrikarbeiter in die Städte zogen. Nein, es gab es nicht seit Adam und Eva. Damals lebten die Menschen in Sippen, und die Frauen waren nicht bloß dazu da den Babys die Brust zu geben. Die Sippe war ein Kollektiv! Jeder hatte seine Aufgabe, und die Kinder wurden im Kollektiv erzogen. Und es ist noch nicht so lange her, da gab es die Großfamilie noch, mehrere Generationen und Verwandte unter einem Dach, und wenn die Mutter eine Aufgabe hatte, kümmerten sich Omas oder Tanten um die Kinder. Der Mensch ist trotz seiner Individualität ein kollektives Wesen. Die Isolation und Vereinsamung in der Anonymität der Großstädte ist ihm wesensfremd. Das haben vor 150 Jahren sogar manche Fabrikbesitzer begriffen und Kindergärten eingerichtet. Und die Ideen von Fröbel oder Pestalozzi hat Frau Herman wohl nie zur Kenntnis genommen. Überhaupt frage ich mich, wo die gute Eva alle ihre Erkenntnisse von Mutter und Familie her hat. Ist sie doch schon 4 mal verheiratet, und nur der dritten Ehe entsprang ein Sohn, der Eva aber durchaus nicht zurück an den Herd brachte. Wer sich um den Kleinen gekümmert hat, wissen wir nicht, hatte doch da ihre Fernsehkarriere ihren Höhepunkt erreicht. Ach nein, sie hat sich natürlich als billige Arbeitskraft politisch gewollt in die Erwerbstätigkeit drängen lassen.
15.04.2008 – Sachsen und die Königsmörder Es ist vollbracht. Milbe hat das Handtuch geworfen. Damit hat auch der zweite Ministerpräsident in Sachsen seine Amtszeit vorzeitig beendet. Ein schlechtes Omen für Herrn Tillich, den designierten Nachfolger? Immerhin hat König Kurt es auf 12 Jahre Amtszeit gebracht, Milbe nur noch auf 6. Beide waren Importe. Beide waren autoritär und von einem Hofstaat von Schmeichelleckern umgeben, ihre Stellung war eigentlich unantastbar. Beide stolperten über kleinere bis mittlere Affären, die vermeidbar gewesen wären. Kurt Biedenkopf machte Geschäfte mit Schulfreunden, die dem Freistaat 16 Millionen Euro Schaden brachten. Der Finanzexperte Milbradt vermochte es nicht, die sächsische Hofbank, die er beaufsichtigte, vor immensen Spekulationsverlusten zu bewahren, die letztlich zum Verkauf und Bürgschaften Sachsens in Milliardenhöhe führten. Obwohl beide ihr Königreich zu ersten Wirtschaftsmacht der neuen Länder machten, haben sie Millionen in den Sand gesetzt. Stanislaw Tillich verkörpert nun das ganze Gegenteil seiner Vorgänger. Er ist Sorbe und damit gebürtiger Sachse. Er ist jung, nett und adrett. Er ist auf europäischem Parkett gewandelt, gilt als Zuhörer und nicht als Besserwisser. Alles Eigenschaften, die seinem Vorgänger abgingen. Also beste Voraussetzungen für einen Neuanfang. Nur einen Haken hat es: Kurt und Milbe kamen vom Olymp, keiner wagte es sie anzutasten (außer natürlich der MdL Nolle, dem schon mancher zum Opfer fiel). Tillich aber wurde aus den Reihen der braven Jünger emporgehoben. Das wird Neider auf den Plan rufen. Wie lange wird er durchhalten? Bleibt Sachsen das Land der Königsmörder?
06.04.2008 – Die Porschefahrer und die Rente Eine junge Frau heizt die Debatte um den Generationenkonflikt in Deutschland an und sorgt für Stimmung. Anja Kapfer, Vorsitzende der deutschen Wirtschaftsjunioren, redet über Bildung, über die Zukunftsaussichten Deutschlands, über das Bild der Unternehmer in der Öffentlichkeit und über die Rentenerhöhung. Wer sind diese Junioren eigentlich, die sich sozusagen in die Politik der Parteien einmischen? Der WJD ist die deutsche Kammer der JCI, der Junior Chamber International, die 1915 in St.Louis von einem Deutschstämmigen in Form der „Young Men’s Progressive Civic Association“ gegründet wurde. Credo war die Verbesserung der Gesellschaft, der Zugang zu gesellschaftlichen Problemen für junge Leute als Beitrag für Menschen aller Altersklassen. So zumindest ist es zu Lesen, wenn man ein wenig auf der Homepage sucht, auf der unter der Rubrik „Profil“ als erstes der WJD-Shop erscheint. Kein Wunder, dürfen doch nur Unternehmer oder Führungskräfte Mitglied werden! Sind sie also als Mitglieder hier traut vereint, treibt Frau Kapfer in einem Interview wohl einen Keil in die eigenen Reihen. Für das schlechte Image der deutschen Unternehmer seien allein die schwarzen Schafe aus den Managerkreisen (also Führungskräfte) verantwortlich mit „ihrer persönlichen Gier“. Übrigens, Frau Kapfers unternehmerische Aktivitäten bestehen im Wesentlichen in der Ausbeutung ihrer Notarsgehilfin. Sie ist Chefin einer Notarskanzlei, und ich denke, dass ihre Angestellten den gleichen Hungerlohn erhalten wie unter Anwalts- und Notarsgehilfen üblich. Der Gipfel als Beitrag für alle Altersklassen aber war ihr Ausspruch „Ein Plus bei den Renten ist ein falsches Signal für die junge Generation und für die Unternehmen in unserem Land“. Während VW-Chef Winterkorn seine Bezüge von 2007 um gute 50% steigerte (ist er nun ein Unternehmer oder ein schwarzes Schaf?), wird den Rentnern ein durchschnittliches Plus von 5 Euro im Monat nicht gegönnt, denn die müssen schließlich von den Jungunternehmern erwirtschaftet werden. Wie sollen sie da ihren Porsche finanzieren? Als ich versuchte, das Grundsatzpapier „Rente“ auf der Homepage zu öffnen, wurde mir das leider verwehrt, da bleibt diese Elite lieber unter sich. „Sie haben keine Rechte auf diesen Download“, hieß es, aber immer noch besser als: „Sie haben keine Rechte auf Rente“.
30.03.2008 – Sport oder gesund Die Stadt Chemnitz hat sich viele Jahre selbst als Sportstadt bezeichnet. Das lag wohl am damaligen OB, der als gelernter DDR-Bürger alter Schule eine Affinität zum Sport hatte und sich selbst engagierte. Leider hat er eines nicht geschafft: eine kommunale Struktur der Sportförderung zu schaffen. Viele Vereine, die Breitensport anbieten, müssen mit ein paar wenigen Euros aus dem Sozialhaushalt auskommen. Und da dort dieses Jahr zusätzlich Mittel frei sind (ja, das gibt es!), will man dem Fußballclub (der CFC spielt übrigens in der Regionalliga – unter einem gewissen Hans Meyer, der später weiter westlich große Erfolge feierte, war man mal in der 2. Liga) mit einem erklecklichem Sümmchen unter die Arme greifen. Löblich – oder doch nicht? Warum gerade dem Fußball? Die Summe soll das 40-fache dessen sein, was der Schwimmclub bekommt, obwohl dieser 4 mal soviel Nachwuchssportler betreut. Da darf doch die Frage berechtigt sein, welchem Zweck die Förderung dient. Ist Fußball bei den Politikern einfach populärer? Da sollen sie doch Sponsoren suchen statt sich aus dem Steuersäckchen zu bedienen! Trotz Ajona und Robin bekommt der Eiskunstlaufnachwuchs kaum etwas ab. Die Eltern müssen nicht nur die Ausrüstung selber bezahlen, bei jedem Wettkampf und jeder Stunde Extratraining sind ein paar Scheine fällig. Nicht Leistung entscheidet, sondern wer es sich leisten kann. Ist es da ein Wunder, wenn der deutsche Sport eine Talfahrt macht? Heute glauben die meisten, der DDR- Sport hatte seine Erfolge nur wegen systematischem, wissenschaftlichem Doping. Ganz, ganz oben mag das so gewesen sein. Aber man hat auch immer wieder die Naturtalente gefunden, denn mit 50 Pfennig Mitgliedsbeitrag konnte jedes Kind Sport treiben, das Reservoir war schier grenzenlos. Apropos Sport. Ihm geht es nicht besser wie dem Gesundheitswesen: der Niedergang wird immer deutlicher. Die Schwimmer haben keinen Bock, zur EM zu fahren, obwohl sie genug Geld von meinem Freund, dem Innenminister, bekommen. Ärzte haben keinen Bock mehr, Kranke zu behandeln, weil sie zu wenig Geld von den Kassen bekommen. Es ist kein Märchen, mit einer Überweisung in der Tasche, bin ich neulich bei 3 Orthopäden abgeblitzt. Vielleicht sollte man die Verteilung unserer Gelder mal ernsthaft überdenken. An Schwimmern, die keine Leistung zeigen wollen, besteht kein Bedarf, an Ärzten, die sich noch an Hippokrates erinnern, schon.
19.03.2008 – Berlin, Moskau, Peking oder für Frieden und Völkerfreundschaft Als die Kommunisten in Afghanistan an die Macht kamen, holten sie die Russen zu Hilfe, die 1979 das Land besetzten. Ein Aufschrei der Entrüstung gegen diese Invasion ging damals durch die „freie“ Welt. Die Olympischen Spiele 1980 in Moskau wurden auf Betreiben der USA boykottiert, auch von den (West-) Deutschen. Natürlich ging es nicht um Afghanistan, wo es ja nichts zu holen gab. Es ging gegen die Russen, die damals böse waren. Seit 58 Jahren hat China das Land Tibet annektiert. Bereits 1955, 1959, 1987 versuchten die Tibeter, die ihnen damals in – aufgezwungenen - Verträgen zugesicherte Unantastbarkeit ihrer inneren politischen Struktur durchzusetzen. Mehrfach hat auch Deutschland die permanenten Menschenrechtsverletzungen durch die chinesischen Invasoren angeprangert. Und auch heute versuchen die Tibeter auf die Auslöschung ihres Volkes, ihrer Jahrtausende alten Kultur durch die „Sinisierung“ mit Protestaktionen aufmerksam zu machen. Nicht nur die blutige Niederschlagung der Aktionen, auch die schleichende Vereinnahmung Tibets durch die Han-Chinesen kann als Völkermord bezeichnet werden. Doch man hört keinen Aufschrei, bestenfalls ein paar gesetzte Beiträge, in denen man die Nutzung einer internationalen Großveranstaltung, die der Völkerverständigung dienen soll, als Plattform des Protestes diskutiert. Aber nein! 28 Jahre später hat die westliche, freie Welt dazugelernt. Ein Boykott der Olympischen Spiele in Peking kann keine Probleme lösen, so die Merkels, Schäubles, Rogges und (grünen!) Vespers. Woher der Sinneswandel? Als China noch als echtes kommunistisches Regime agierte hat man den Dalai Lama als Freiheitskämpfer hofiert. Doch was sind die Chinesen jetzt? Man macht Geschäfte mit ihnen und verdient sich goldene Nasen. Sie sind nicht mehr böse genug! Wen interessieren da noch die paar Lamas? Also lässt man die Chinesen ihre große Propaganda-Show abziehen. So wie man es 1936 einen gewissen Hitler hat tun lassen, der sich erst der Bewunderung der westlichen Welt für sein Regime bei der Olympiade versichert hat, um danach seelenruhig den größten Völkermord aller Zeiten vorzubereiten. Wie sich doch alles wiederholt - oder doch nicht?
11.03.2008 – Schwarz, rot, gold Kennt ihr den Hähle Fritz aus Grüna? Wenn nicht ist es nicht schlimm. Er ist bloß Fraktionsvorsitzender der CDU im sächsischen Landtag, eine stille Erscheinung ohne Charisma, deshalb musste er wohl den Landesvorsitz abgeben. Als gelernter DDR-Bürger hat er eine ganz normale Karriere durchlaufen, POS, Ausbildung, Fernstudium, Promotion, Forschungsstelle an der TU Chemnitz, eigenes Häuschen in schöner Lage, was will man mehr. Inzwischen hat er ein Büchlein geschrieben, und manchmal liest man in der Presse seine Ergüsse. Sei Lieblingsthema ist der Gegensatz zwischen der ach so düsteren DDR-Vergangenheit und der strahlenden freiheitlichen Gegenwart. Die DDR reduziert er auf eine Wirklichkeit „mit heruntergekommener Wohnsubstanz, mit jahrelangem Warten auf die Zuteilung eines Autos, eines Platzes im Altersheim oder eine Bypass-OP, sowie Städte und Dörfer im Einheitsgrau, einer verpesteten Umwelt und einer zugemauerten Republik“. Und er schimpft über „Rotlichtbestrahlung“ und die Unterwanderungstaktik der Stasi. Nein, er war nicht verfolgt und auch kein Regimekritiker. Und sein Häuschen ist, soweit ich mich erinnern kann, auch heute noch grau angestrichen. Warum dann dieses düstere Bild? Es soll warnen vor den Linken! Warnen vor einer Zukunft ohne Arbeitslosigkeit, mit leidlicher medizinischer Versorgung für alle, genügend Krippenplätzen. Natürlich gab es zu viele dunkle Schatten in jenem Land. Aber die Probleme der Gegenwart sind für Hähle nicht existent, die immer weiter klaffende Schere zwischen Arm und Reich, die Slums in den Weltstädten, die vielen, die sich kein Auto oder nur „Schrottkisten“ leisten können, die sich herausbildende Zweiklassenmedizin, Kinderfeindlichkeit, Klimawandel. Und so kann er nicht begreifen, dass gerade in den ärmeren Regionen und Schichten das Leben in der DDR gar nicht so furchterregend gesehen wird. Doch das wundert nicht, wenn man immer nur auf der Sonnenseite des Lebens gestanden hat. Ob seine These schwarz + rot = goldene Zukunft, d.h. die SPD müsse wegen dieser schrecklichen DDR-Realität, statt sich den Linken zu öffnen, stärker mit der CDU zusammengehen, auf offene Ohren stößt, bleibt eher fraglich.
27.02.2008 – Hutt River auf dem Balkan Ohne dass es der Welt bewusst wurde, hat vor 38 Jahren ein australischer Farmer einen neuen Staat ausgerufen, das Fürstentum Hutt River (http://www.hutt-river-province.com). Irgendwie musste Australien nach einer Kriegserklärung des Fürsten auf Grund alter Gesetze den Sonderstatus akzeptieren, auch wenn völkerrechtlich keine offizielle Anerkennung erfolgte. Doch es gibt überall Botschaften (http://hrpp.gmxhome.de), und wenn Du keinen Bock mehr auf Deutschland hast kannst Du Huttriverianer werden. Das ist kein Witz! Und nun haben es auch die Kosovo-Albaner geschafft: sie haben ihre Unabhängigkeit erklärt, und alle haben still gehalten, alle außer den Serben. Doch die haben nun mal als Erben Titos keine Lobby in der Welt, bis auf die Russen, obwohl die früher keine Freunde waren. So ist der Status ziemlich umstritten, obwohl die USA die ersten waren, die den neuen Staat – anders als Hutt River - anerkannten. Das mag verwundern, denn damit wurde der Kampf einer Terrororganisation, wie es die UCK war, nachträglich legitimiert. Es ist kein Geheimnis, dass die UCK-Nachfolgeorganisationen den Kosovo beherrschen und eine wichtige Rolle im weltweiten Drogenhandel spielen. Damit könnte eine neue Speerspitze des islamistischen Terrors ausgerechnet von den westlichen Großmächten installiert worden sein. Und was, wenn andere diesem Beispiel folgen? Ermutigt die Völkergemeinschaft mit solchen Beispielen nicht andere, den Terror als probates Mittel zur Durchsetzung sezessionistischer Ziele zu verschärfen? Was wenn die Basken nun endlich ihre Unabhängigkeit ausrufen, ganz zu schweigen von den vielen Stämmen Afrikas, die plötzlich erkennen, dass die durch die Kolonialzeit geschaffenen künstlichen Grenzen keinerlei Rücksicht auf ethnisch-soziale Gegebenheiten nehmen? Es hat noch nie funktioniert, wenn ganze Völker in fremde Staatsgebilde einverleibt werden, als Minderheiten unterdrückt werden oder ihre Heimat aufgeteilt wird. Waren bisher die Albaner eine Minderheit in Serbien, so sind es nun die Serben im Kosovo. Gerechterweise sollten sie nun den Staat Metohija ausrufen und sich unabhängig erklären dürfen. Schlimm ist nur, dass am Ende deutsche Soldaten für das Völkerrecht sterben. Am liebsten möchte ich in Anlehnung an Prinz Leonhard die Friedliche Bergrepublik Pleißa ausrufen, in der Waffen jeder Art abgeschafft werden.
20.02.2008 – Hieß Münchhausen in Wahrheit Zumwinkel? Blättert man in den Mitarbeiterzeitschriften großer Unternehmen, erlebt man seit einigen Jahren eine der größten Volksverdummungsaktionen der deutschen Wirtschaftsgeschichte: das gegenseitige Schulterklopfen der sogenannten Führungskräfte, wie sich Manager und Vorstände gern nennen, wohl um von vornherein ihre Elitestellung klarzumachen. Doch je elitärer, desto wackeliger werden wohl die Stühle. Ein gewisser Herr Zumwinkel hat in der „Premium Post“ tatsächlich das Credo einer Führungskraft so beschrieben: Sie muss in ihrer Rolle als Vorbild Ergebnisse bringen, den Wechsel vorantreiben, Werte vorleben und Mitarbeiter fördern. Ergebnisse hat Zumwinkel gemacht, bei einer Liechtensteiner Stiftung namens Devotion. Mit Hingabe hat er Gelder am Fiskus vorbei ins Steuerparadies geschoben, um dort auch noch steuerfreie Erträge abzusahnen. Den Wechsel von der „staatlichen“ Post in eine Aktiengesellschaft hat er auch vorangetrieben, nicht zuletzt um im Dezember selber ein großes Aktienpaket „seines“ Unternehmens mit sattem Gewinn zu veräußern. Und Werte hat er vorgelebt: man spricht von einer Million Euro, die er eingespart hat, indem er sie als Steuerflüchtling dem Staat, den Bürgern vorenthalten hat. Und natürlich, die Mitarbeiterförderung ist ein voller Erfolg. Aus tausenden Mitarbeitern im Filialnetz der Post hat er durch Schließungen und „Outsourcing“ Privatunternehmer gemacht, und einige haben es tatsächlich geschafft. In meiner ehemaligen Postfiliale kann man heute sogar Kaffee am Automaten trinken, während man Marken klebt. „Wir haben gut angefangen, aber es ist noch eine weite Reise“ soll er seinen Vorstands- Kollegen bei einem Manager-Kongress noch im Januar zugerufen haben. Nun heißt es Endstation. Und die Legende im Volksmund von der Doppelmoral der da oben hat sich wieder einmal bewahrheitet.
10.02.2008 – Rachegelüste bei Ebay Ich stell mir gerade mal vor, ich komme im Supermarkt an die Kasse und die nette Blonde sagt: „Falls Sie mit unserem Service zufrieden waren, bewerten Sie mich doch bitte positiv! Dann bekommen Sie von mir natürlich auch einen grünen Punkt!“ Also drücke ich auf Grün, hole mein Bonusheft raus und bekomme meinen grünen Stempel... Oder ich gehe in die Apotheke. Drei hübsche Apothekerinnen stehen hinterm Ladentisch, ein Display zeigt an wie viel grüne oder rote Sterne jede gesammelt hat... Oder ich komme ins Autohaus, und der Händler sagt zu mir: „Zeigen Sie doch mal Ihre Bonuskarte – was, sie haben ja einen roten Stern! Tut mir leid, da verkaufe ich Ihnen nichts, sie machen doch bloß Ärger.“ Natürlich habe ich den roten Punkt, weil ich mich geweigert habe, beim Bäcker grün zu geben, nachdem er mir kundgetan hat: „was wollen Se? Brot? Hab ich nich, nehm’se doch Streuselkuchen!“ Der Bäcker wäre sicher bald pleite. So ist das nämlich im wahren Leben. Da heißt es: der Kunde ist König, sonst ist man weg vom Fenster. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber da kauf ich nicht mehr ein, auch ohne Bewertungswahnsinn. Und es heißt Lächeln, und ist der Kunde noch so’n Arsch... Da musst du durch. Bei Ebay sehen sich die beiden ja nicht. Da geht der Kunde in Vorleistung und muss sich noch flapsige Sprüche gefallen lassen, wenn er unzufrieden ist. Wenn der Kunde nicht zahlt bekommt er logisch keine Ware, wenn der Kunde gezahlt hat und keine Ware bekommt hat er ein Problem. Und dann jammern die armen Verkäufer auch noch rum und faseln was von Gleichberechtigung! Wenn ich mal Zeit habe bedaure ich sie... Nun will Ebay den Bewertungs-Unsinn abschwächen. Verkäufer sollen keine Negativbewertungen mehr vergeben. Nicht gerade eine gewaltige Reform (die hier Not täte), aber schon gibt es den kollektiven Aufschrei der Verkäuferkaste. Getroffene Hunde bellen eben. Ich habe mal ins Forum geschaut, erschreckend was da so geschrieben wird. Solche wie der Goetz machen mir Angst, sie sind das wahre ebay – Problem. Sie beschimpfen die Kunden als Unterschichtenkäufer mit Migrantendeutsch und können das und dass nicht unterscheiden. Die nennen sich gewerbliche Verkäufer und schließen in den Geschäftsbedingungen jegliche Gewährleistung aus, und bei Ebay können sie noch Powerseller werden! Übrigens machen andere Portale das ganz einfach: wer kauft, zahlt mit seinem guten Namen. Sterne gibt’s nicht, weil’s keine Nichtzahler gibt. Und der Händler, der nicht liefert, kriegt halt rot, ohne dass man über Rache streitet!
22.01.2008 - Wird Ypsilanti abgekocht? Da hat sich der Koch mit seinen Kriminalitäts-Kampagnen einen Bärendienst erwiesen. Erst geht’s gegen (kriminelle) Ausländer, dann für Kinder ins Gefängnis, nun gegen die Kommunisten und gegen Schleier überhaupt. Dafür erntet er Beifall von ganz rechts, NPD und Reps jubeln. Cartoons zeigen Koch als Supermann mit Republikanerlogo. Seine Parolen wollen rechtspopulär sein, die Mehrheit der Bevölkerung indes scheint von solch schwarzbraunem Brei eher abgestoßen zu sein. Seine Umfragewerte sinken, und Ypsilanti steigt. Koch rudert verzweifelt und rührt immer mehr braunen Schlamm auf. Doch Frau Ypsilanti kann daraus wohl keinen Nutzen ziehen. Ihre schärfsten Gegner nämlich sitzen ausgerechnet in der eigenen Partei. Der ehemalige SPD-Vize und Ex-Wirtschaftsminister Clement hat doch tatsächlich vor einer Wahl Ypsilantis gewarnt. Deren Energiepolitik sei wirtschaftsschädigend. Wen wundert’s, sitzt doch Clement im Aufsichtrat der RWE! Doch was tut man mit einem Genossen, der vor der eigenen Partei warnt? Egal, vermutlich können weder Koch noch seine Herausforderin die Wahl gewinnen. Und wahrscheinlich werden viele deshalb erst gar nicht hin gehen. Leider, denn herauskommen wird am Ende wieder eine jener unseligen Koalitionen, die nichts bewegen wird.
18.01.2008 – Geschäfte, Schwarzgeld, Komplianz Wird das neue Jahr ein Jahr der Krisen oder des Umdenkens? Neuerdings macht Siemens Werbung im Privat-TV. „Wir geben Antworten auf die großen Fragen der Menschheit“. Auf Fragen, die keiner stellt oder die Siemens gleich selber dazuliefert. Erste Zeichen des Umdenkens? Das Geld aus den Schmiergeldtöpfen (irgendwie ist es ja da und muss vertan werden) wird in teure Werbespots umgeleitet. Ob das die gleichen Erfolge bringt? Immerhin, die Geschäftszahlen der Jahre, in denen Bestechung offenbar zum guten Ton gehörte wie EPO beim Radsport, sind so gut wie nie, schon 3 mal in Folge war das laufende Jahr das beste in der Geschichte. Aber nun wird mit neuen Besen durchgekehrt. Erste Maßnahme: wir reorganisieren. Das ist die einfachste Methode, schwarze Schafe im Management loszuwerden, ohne sie bloßzustellen. Einem Mitarbeiter kann man kündigen. Oder wenigstens eine Disziplinarstrafe aussprechen, wenn er für 10€ telefonisch Material bestellt, um einen kritischen Termin zu retten, ohne dass die Bestellung durch 3 Instanzen geprüft wurde. Ein Manager, der seiner Firma einen Millionenschaden zufügt, wird entweder weggelobt oder bei einer Umstrukturierung geopfert, nicht ohne ordentlich entschädigt zu werden, am besten aus den eigenen Schwarzgeldkonten. Und ein anderer Teil von diesen wird in deren Bekämpfung gesteckt. 1,4 Milliarden € investiert Siemens in „Compliance“. Dem Unkundigen sei erklärt, dass darunter die Selbstverpflichtung zur Einhaltung der Gesetze zu verstehen ist. Was beim normalen Bürger als selbstverständlich vorausgesetzt wird, nämlich dass er nicht gegen Gesetze verstößt, ist in Großunternehmen zu einer Art eigenem Geschäftszweig geworden. Siemens hat extra ein Ressort für Recht und Compliance geschaffen. Damit soll eine neue Kultur der Geschäftstätigkeit Einzug halten. Eine andere Kultur aber, die der Sprache und Verbundenheit zur Region, geht im Zuge der Globalisierung endgültig den Bach runter. „Recht und Compliance“, zwei Sprachen bunt gemischt, beherrschen den Umgangston. Nur wenige Mitarbeiter verstehen noch die Sprache der fernen oberen Schichten. „ Die in den Supply-Chain- und Procurement-Prozessen angestoßenen Veränderungen sind schon bemerkbar, so standen beispielsweise im ersten Corporate-Responsibility-Tag für Lieferanten von Siemens Building Technologies ein klares Responsibility-Anforderungsprofil und Themen wie der Code of Conduct im Mittelpunkt.“ Alles klar? Vielleicht ist das ja die Antwort von Siemens auf die Frage, wie eine künftige globale Verständigungskultur aussieht.
30.12.2007 – Klima, Kochen, Kindermord Und wieder geht ein Jahr zu Ende. Keine Jahrhundertflut, keine Monster – Tsunamis, keine Katastrophen, auf die es lohnt zurückzublicken. Mancher erinnert sich bestenfalls an die wütenden Waldbrände in Südeuropa und – wie immer – Kalifornien. Und sonst? Natürlich, die Klimagipfel – durch die Beharrlichkeit unserer Frau Kanzlerin sah sich sogar Mr. Bush genötigt, dieses Thema aufzugreifen, so dass uns dieses Jahr als das Jahr des Umbruchs im klimapolitischen Denken in Erinnerung bleiben könnte, vorausgesetzt, das endlich nun Aktionen folgen. Erste sind schon angedacht, die Autohersteller sollen mit einer Klima – Strafsteuer belegt werden. Zuviel CO2 muss bestraft werden. Aber halt – wie immer, wenn EU-Politiker rumpfuschen dürfen, darf man natürlich schummeln, und Daimler darf natürlich die Emission eines Maybach mit der eines Smart verrechnen. Und der Aufschrei des Entsetzens der deutschen Politiker, die auf ihre geliebte und gelobte deutsche Autoindustrie schwere Zeiten zukommen sehen, verpufft fast ungehört. Noch zwei Dinge sollten charakteristisch für 2007 sein: Die Kochshows und das Kindersterben. Auch wenn die Quotensieger Handball-WM-Finale, Wetten das und die Boxkämpfe der Klitschkos waren, bei der spendierten Sendezeit lag das Kochen weit vorn. Man kocht um die Wette, um Punkte, um die Ehre, gegen Profis, es kochen Nobodies und Promis (die kein Mensch kennt), man kocht auf allen Sendern – man könnte meinen die Medien hätten sich gegen Burger&Co verschworen. Weiter so! „Um Gottes Willen – haltet ein!“ möchte man hingegen beim anderen Medienhighlight ausrufen. Tote Kinder, ein Vater erschießt seinen Sohn, eine Mutter erstickt ihre Tochter, Kinder verhungern, werden zu Tode geprügelt – keine Woche vergeht ohne einen neuen aufsehenerregenden Fall. Wie tief muss man sinken, um sich an den eigenen Kindern zu vergehen, sei es, indem man sie ihrem Schicksal überlässt, sei es durch Misshandlung bis hin zum Mord? Hier ist die Gesellschaft mal wirklich gefordert. Zumal heute die gesamtgesellschaftlichen Kinderbetreuungsansätze der DDR verrufen sind und die heile Familie als Nonplusultra gilt. Doch wie heil sind unsere Familien wirklich? Das Kindersterben wird weitergehen, auch in 2008.
28.11.2007 – Mäzen und Verschwender Wer auch nur ein wenig vom Motorsport versteht, wird zugeben: Schumi war der Größte, der Beste, und wäre es womöglich noch immer. Also gönnen wir ihm auch sein Häuschen im Grünen. Sein Vermögen wird auf 600 Millionen geschätzt, und während sich der Normalbürger für die eigenen vier Wände oft hoffnungslos verschuldet, setzt Schumi nicht mal 10% desselben für seinen Traum ein. Für die 4 Familienmitglieder gibt es 2200m² auf 4 Etagen, 8 Schlafzimmer, 5 Bäder, ein Kino und ein Schwimmbad mit Saunalandschaft im Haus, einen Naturpool im Freien, ein eigener Fußballplatz, ein Gästehaus mit Garage für 25 Autos nebst eigener Tankstelle. Hoffentlich verirren sich da die Kinder nicht. Über die Architektur kann man streiten, von harmonischem Ensemble im traditionellen Stil bis hin zu kitschigem Prunkschloss mögen da die Meinungen gehen. Dass die schweizerische Gemeinde Gland für ihren populärsten Steuerzahler mehrere Hektar Wald und ein Stück Genfer See geopfert hat passt zum Klischee des Landes. Und dass Schumi noch Leistungen aus Deutschland bezieht ist pervers, aber dafür kann er nichts, so sind die deutschen Gesetze. Wie gesagt, ich gönne es ihm wirklich. Immerhin engagiert er sich auch für Kinder in Not. Nun bräuchte er als Sportsmann nur noch mal die gleiche Summe in den deutschen Nachwuchssport zu investieren, denn der braucht es wirklich.
17.11.2007 – Sommerzeit, gute Zeit Wieder mal ist sie vorbei, die gute alte – pardon, die gute Sommerzeit. Viele haben sich in den letzten 3 Wochen zu Wort gemeldet und gegen den Unsinn der Zeitumstellung gewettert. Und ich gebe ihnen Recht. Muss das wirklich sein? Einer sprach vom „Experiment Sommerzeit“, das schief gegangen sei. Ein anderer sprach vom Jet-Lag als Auslöser psychischer Erkrankungen, und weit verbreitet ist die Meinung, dass die innere Uhr nach der Sonne gehe und jede Verschiebung krank mache. Der Tenor war klar: Abschaffung der Sommerzeit! Nun muss ich sagen, dass ich es ziemlich bedrückend finde, 3 bis 4 Monate lang Feierabend im Dunkeln zu haben. Was tun? Eine Stunde früher ins Büro gehen? Da könnte man die Stunde wieder rausholen. Dazu müsste man die innere Uhr einfach weiter auf Sommerzeit laufen lassen und die geschenkte Stunde ignorieren. Aber da kommt’s: Meine innere Uhr geht irgendwie nicht nach der Sonne, sondern synchronisiert sich auf Armbanduhren, Kirchturmuhren, Zeitansagen auf. Obwohl man in der Sommerzeit immer eine Stunde früher auf steht, gewöhnt man sich dran, weil alle Uhren das vergessen machen. Die gleiche Stunde im Winter früher aufzustehen und damit die Umstellung zu ignorieren geht aber eben nicht, denn alle Uhren signalisieren dann, wie früh es wirklich ist. Was folgt daraus? Der Körper richtet sich nicht nach der Sonne, sondern den Uhren! Übrigens gibt es Zeitzonen erst seit 1893. Bis dahin zeigte jede Kirchturmuhr die wahre Sonnenzeit an. Wenn es in Berlin 12.00 Uhr war, war es in Köln erst 11.34 Uhr. Kein Mensch konnte da vernünftige Eisenbahnfahrpläne aufstellen. Und seitdem hat kein Kölner ein Problem damit, dass es Mittag schlägt, obwohl der Sonne noch eine halbe Stunde zum Zenit fehlt. Die China Standard Time umfasst beinahe 4 Stunden Sonnenlauf. Wenn es in Peking Mittag ist, ist es auch in Kashi, nahe der Grenze zu Tadshikistan, Mittag, obwohl die Sonne erst auf 9 Uhr steht. Leider hab’ ich dort keinen Bekannten, den ich fragen kann wie er da zurecht kommt. Aber für mich ist klar: eine einheitliche Zeit fürs ganze Jahr, und zwar Sommerzeit!
08.11.2007 – Inder im ICE Als ich die Leserbriefe meiner Tageszeitung am 07.11. gelesen habe, war ich doch einigermaßen erschüttert über die durchweg ablehnende Meinungen zum Bahnstreik. Nicht nur, dass manchen der Sinn eines Streikes wohl nicht klar ist, vor allem das offensichtliche Unverständnis für die Lokführer, die jetzt sogar den „Standort Deutschland gefährden“, macht mich besorgt um die Solidarität der Arbeitnehmer im Kampf gegen den fortschreitenden Sozialabbau unter dem Deckmantel der Globalisierung, wobei die Top-Manager mit ihrem Standortgefasel ihre eigenen gewaltigen Einkommenserhöhungen gegenüber den „Gürtel-enger-schnallen“ – Parolen an die Arbeitgeber rechtfertigen wollen. Auch zeugt der Vergleich mit Busfahrern oder die Forderung nach Änderung des Grundgesetzes wenig Sachkenntnis. Tatsache ist, dass das Durchschnittsbruttoeinkommen in Deutschland 2006 bei 3077€ lag, dass Piloten ca. 7000€ verdienen, einen verbeamteter Lokführer 2700€, die nicht verbeamteten Lokführer (die in der Mehrzahl sind, zumal im Osten) nur 2100€, ein Busfahrer 2400€. Das ist nicht mehr wie ein Zugbegleiter, ein Lagerarbeiter oder ein Müllarbeiter bekommt und deutlich unter dem Durchschnitt. Und leider ist es eine Tatsache, dass die Gewerkschaften, die sich anmaßen eine ganze Branche zu vertreten, ihre Klientel haben, für die sie sich einsetzen, und andere, die ihnen sogar ein Dorn im Auge sind, je nach Organisierungsgrad. Und wenn die Transnet es versäumt hat, sich um die Lokführer zu kümmern, und diese darum eine eigene Gewerkschaft und deshalb mit der Transnet nichts am Hut haben, ist es wohl nicht zu erwarten dass diese tatsächlich als Interessenvertreter der Lokführer auftritt. Und denjenigen, die den Lokführerstreit ablehnen, weil sie Angst davor haben 50ct mehr für die Fahrkarte bezahlen zu müssen, sei gesagt: wer als Konsument nicht bereit ist soviel zu bezahlen, dass die, welche die Leistung erbringen, das verdienen was der Konsument für sich selbst auch erwartet, ist der eigentlichen Standortgefährder. Denn er muss sich nicht wundern wenn die Lokführer eines Tages aus Indien kommen. Doch erst mal droht eine Eskalation der Situation, die wohl nur noch durch überparteiliche Schlichtung zu retten ist, wenn nicht die Volkswirtschaft und wir alle die Zeche zahlen sollen. Letztendlich ist hier die Politik gefordert, aber die reist ja mit Dienstwagen und Flugzeug.
01.11.2007 – Vom Deutschen der auszog das Gruseln (und Blödeln) zu lernen Heute muss ich mal klauen: Die Kabarettistin Lisa Fitz spricht mir einmal mehr aus dem Herzen. Letzte Woche ergab eine Statistik des abendlichen Fernseh- Programms von ARD, ZDF und der 5 großen Privatsender folgende Quote: 25% Krimis, 20% Action / Horror / Thriller, 25% Comedy / Talk / Doku Soaps. Immerhin 2% Sport und 4% Dokumentationen, der Rest sind Familienserien, Casting-, Quiz- und Koch- Shows. Gruseln, Blödeln, Crime – das ist, woraus unser wichtigstes Freizeitangebot besteht, und die Mehrzahl der Konsumenten saugt es begierig auf. Und was sagt die gute Lisa dazu? „Das Land im Dornröschen-Dauerschlaf, kein Prinz in Sicht, um die Zicke Bundesrepublik aus ihrem Euro-Koma zu erwecken, aus dem Dschungel der downgeloadeten Handyklingeltöne und TV-Tussen-Gebabbel frei zu schlagen, zu kämpfen gegen den TV-Drachen, den großen Saurier mit dem kleinen Hirn, der nicht aussterben will, der speit und speit, Geschwätz, dumme Bilder, Gewaltfantasien, Gebabbel von Tussen, die dreinschauen wie geleckte Milchkälber, herzig und saudumm. Der fleißige Deutsche ist eine Sagengestalt geworden und Gott zur Ente mutiert – Dagobert Duck... In welchem geistigen Zustand ist dieses Land, das zwischen Hartz IV, Eurotrauma und Wespenplage oszilliert? Hollywood macht Dauerwerbekampagnen für Maul- und Revolverhelden, Big Brother USA mit Helden-Neurose und Messiaskomplex kann nicht helfen, die amerikanische Illusion von Grandiosität ist ein riesengroßer Bomben-Furz, der unerträglich zum Himmel stinkt! Wo bleibt die flächendeckende Demokratisierung des Irak mit Sat TV und Big Mäcs?... Statt Update der Ziele und Quantensprung im Glauben sind wir beleidigt vom Leben, unmündig, nicht abnabelungswillig von der Plazenta Staat und fortpflanzungsunwillig – wir, die Enkel der pathologisch Blonden, Vermehrungsfanatischen, wir bocken auf der ganzen Linie. Es ist führerlos, das Volk und rudert steuerlos im Kreis herum, mit anfallsweiser Arbeitswut und Scheinaufschwung zwischen Karnevalskater, Hitzewelle, Wies´nrausch und Silvesterkoma...“ Harte Worte, wahre Worte.
17.10.2007 - Courage nicht erlaubt Da rasen zwei Jugendliche nachts ohne Licht und ohne Helm auf einem gestohlenen Moped durch die Stadt. Zwei Polizisten gelingt es, die beiden zu stellen. Wie oft wünscht sich der Bürger, wenn Chaoten irgendwelche kriminelle Aktivitäten an den Tag (oder meist die Nacht) legen, dass doch die Polizei präsent sein möge. Also endlich mal ein positiver Akt der Gerechtigkeit, so denkt der brave Bürger angesichts des geschilderten Sachverhaltes. Doch denkste! Nicht im deutschen (Nicht)Rechtsstaat. Denn – man höre und staune – nicht die Chaoten, nein, die Polizisten wurden von sogenannten Richtern verurteilt. Wie geht das? Ganz einfach: es waren Bahnpolizisten (jetzt Bundespolizisten), doch für die Straße seien sie nicht zuständig, sondern die Landespolizei, also ein klarer Fall von Amtsanmaßung, so das Urteil im Namen des Volkes. Soll das wirklich unser Wille sein? Wie soll man dem Volk klarmachen, dass es Polizisten gibt, die keine richtigen Polizisten sind, sondern ein Schild tragen müssen: „Ich muss wegschauen“? Da wünscht man sich doch, der Mainzer Richter möge mal auf offener Straße von einem Chaoten bedroht werden, und es kommt ein Polizist vorbei, der sagt: „Ich rufe jetzt die Polizei, den Täter aber muss ich laufen lassen.“ Eines ist sicher: Die „Aktion-tu-was“ der Polizei für mehr Zivilcourage in der Bevölkerung hat von diesem Richter eine Watsche erhalten, wenn nicht mal Polizisten Courage zeigen dürfen. Quo vadis, armes Deutschland?
26.09.2007 – Gülcan und Manes oder keine Liebeserklärung Es mag sein, dass dem einen oder anderen VIVA-Moderatorin Gülcan Kamps auf die Nerven geht oder die geistige Flachbrüstigkeit einer Paris Hilton oder Britney Spears statt Sexgelüsten Mordgedanken weckt. Aber was sich Comedian Manes Meckenstock in einer Radiosendung erlaubt hat, ist trotzdem unfassbar. Dort ließ der Moderator verlauten: "Wenn ich Gülcan sehe, dann bedauere ich, dass es die Nürnberger Rassengesetze nicht mehr gibt." Wie nun kann ein Mensch, der allgemein als integer gilt, so etwas an die Öffentlichkeit gelangen lassen? Die etwas unglücklich dahingestammelten Äußerung einer Eva Herrmann, bei denen nicht ganz klar war, ob das Gute oder Böse nun die Nazis oder die 68er waren, hat ihr den Job beim NDR gekostet. Meckenstock darf sich noch beim WDR blicken lassen. Wie ist es um Deutschland bestellt? Ich habe ein Internet-Forum zur Meckenstock – Äußerung verfolgt. Da gab es nicht wenige, die seine Äußerung als Heldentat feierten, und andere, die bedauerten dass man hier nicht mehr offen sagen könne was man denke. Dazu gibt es wohl einiges klarzustellen. Zum ersten gingen die Nazi-Gesetze von der These aus, dass alle nichtarischen Rassen geistig oder körperlich unterlegen seien, d.h. eine Gülcan wäre demzufolge nicht bloß wegen ihres Auftretens, sondern allein wegen ihrer Herkunft unterbemittelt. Darüber sollte sich Manes mal Gedanken machen. Und zweitens kann man in diesem Land immer noch sagen, was man denkt. Frau Hermann tat dies, Meckenstock tat es, und all die Schwachköpfe im Forum taten es ebenfalls. Und keiner wurde von der Stasi weggesteckt. Allerdings ist es legitim, dass man sich mit kritischen Äußerungen der Kritik der Öffentlichkeit stellen muss. Und wer, wie diese geistigen Tiefflieger, damit die Nazizeit schönreden will, sollte sich im klaren sein, dass dort kritische Äußerungen im KZ endeten. Und nicht zuletzt bleibt eines zu bedenken: Die Hohlheit in unseren Medien ist ja ein Produkt der Konsumenten. Schwachsinn hat die höchsten Einschaltquoten. Also hilft es nicht, die Moderatoren abzuschießen, sondern nur eines: abschalten!
31.08.2007 – Deutschland 1984 Ich bin wieder aus dem Sommerloch aufgetaucht. Üblicherweise spricht man ja vom Sommerloch, weil sich die Politiker rar machen. Das scheint aber dieses Jahr nicht der Fall zu sein. Unsere Kanzlerin umrundet die Welt und hat das Klima als Profilierungssektor entdeckt, eines der wenigen weltpolitischen Themen, welches von den US-Präsidenten vergessen wurde, wenn es darum geht klar zu stellen wer die Welt regiert. Clever, Frau Merkel! Da düst sie also mal nach Grönland und lässt sich am Gletscher ablichten, und schon geht es auf die andere Seite der Erde, nach China, wo man in Peking autofreie Tage befiehlt, um noch die Hand vor Augen zu erkennen. Früher hat so was der Außenminister gemacht, aber mal ehrlich, fällt dir spontan sein Name ein? Aber zurück nach China, dort werden ja Orwells Fantasien zielgerichtet umgesetzt. Überwachungskameras, Datenspeicherung, Internetpolizei – man rüstet auf zum Überwachungsstaat. Und während Merkel sich im Lande rar macht nutzt wieder mal einer die Gelegenheit, mit tollen Ideen den Weltterrorismus in den Griff zu bekommen. Du weißt natürlich, wen ich meine – richtig, den genialen Innenminister AaR Schäuble. Während normalerweise das Verbreiten von Viren und Trojanern unter Strafe steht, entwickelt das BKA den „Bundestrojaner“, der von Amts wegen zur Spionage auf Privat-PC’s eingestzt werden soll. Langsam kann man Angst bekommen. Vor 70 Jahren hatte schon mal einer eine fixe Idee. Und China lässt grüßen!
10.07.2007 – Tötet Terroristen und belebt den Klimahandel! Deutsche Politiker werden immer kreativer, wenn es darum geht, skurrile Ideen zur Lösung aktueller Probleme zu entwickeln. Letztes Highlight: Innenminister AaR Schäuble fordert die Legalisierung der "gezielten Tötung von Terroristen". Das war gängige Praxis im Altertum, im Mittelalter, im wilden Westen, und heute bedienen sich Mafia und andere kriminelle Vereinigungen immer noch der Methode der gezielten Tötung. Warum nicht auch der Staat? Viele Probleme würden sich von selbst lösen, könnte man Verdächtige für vogelfrei erklären. Dass niemand schon früher auf diese geniale Idee gekommen ist! Doch so lange ist es gar nicht her, da haben Hitler, Stalin und Pinochet die gezielte Tötung in großem Maßstab betrieben. Geholfen hat es ihnen nichts. Aber es gibt auch weniger beklemmende gute Ideen, etwa die, bei Urlaubsreisen auf das Flugzeug zu verzichten und damit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten! Ein genialer Vorschlag, der parteiübergreifend von den Damen und Herren Künast (Grüne), Schnappauf (CSU), Gabriel (SPD) unterstützt wird (warum nicht immer so?). Wer nicht fliegt, ist nicht verantwortlich für das viele CO2, das ein Flugzeug in den Himmel pustet. Doch warum kann es sich eine Fluggesellschaft leisten, einen Flug für 16€ von Leipzig nach Mallorca anzubieten? Dabei werden pro Passagier 50l Kerosin verbrannt, aber nur bei vollbesetzter Maschine. Boykottiert die Hälfte den Flug, sind es eben 100l, dem Flieger ist es egal. Doch was wird dem Verweigerer stattdessen geboten? Bleibt man in Deutschland, fährt man also Auto (wie auch die Politiker das tun). Für 16 Euro kommt man dabei ca. 150 km weit und verbrennt 12l Benzin. Für 16€ kann er auch mit der Bahn von Leipzig nach Erfurt fahren, oder 2 Einzelfahrscheine für alle Tarifzonen im Chemnitzer Nahverkehr kaufen. Das sind doch echte Urlaubsalternativen, oder? Wusstet Ihr übrigens, dass Klimaschutz schon zur Geschäftsidee geworden ist? Anbieter von eigentlich klimaschädlichen Produkten können nämlich ein Klimazertifikat kaufen, mit dem sie irgendwo, am besten weit weg von Deutschland, ein Klimaprojekt unterstützen. Natürlich bezahlt das der Verbraucher, und allen ist geholfen. Das Produkt ist zwar nicht besser, aber das Gewissen des Verbrauchers und des Herstellers sind erleichtert. Der Ablasshandel im Mittelalter hat den Papst reich, die Welt aber nicht freier von Sünde gemacht - eine Superidee war's allemal.
24.06.2007 – Sachsen und der Sumpf Immer neue Pannen sächsischer Ermittler zur organisierten Kriminalität füllen die Schlagzeilen der Presse. Nun sind 40 Aktenordner mit den Kopien von Ermittlungsunterlagen des Verfassungsschutzes durch „menschliches Versagen“ geschreddert worden. Dumm nur, dass die Originale schon früher einer „fristgemäßen Aussonderung“ zum Opfer fielen. Aber kein Grund zur Beunruhigung, winken die Behörden ab. Die Ermittlungen seien davon nicht beeinträchtigt. Na klar, wenn man nicht wirklich an der Aufklärung interessiert ist, sind verlorene Beweise kein Problem. Und das man wirklich alles ans Tageslicht bringen will glaubt wohl niemand mehr ernsthaft. Leider sind auch die Hüter der Wahrheit, unsere Journalisten, nicht in der Lage, Tatsachen zu offenbaren. Alle Welt spricht von der Verstrickung sächsischer Politiker, Justizbeamter, Polizisten, Unternehmer ins Rotlichtmilieu, Immobilienschiebereien, Korruption und Verdunkelung, besonders in Leipzig und Plauen, aber auch Chemnitz und Dresden scheinen verwickelt. Doch Namen und Tatsachen bleiben weitestgehend im Dunkel verborgen. Und unsere Staatsführung? Nichts! Die reden von Strohfeuer und spielen alles herunter. Innenminister Buttulo darf erklären, dass sich der Verfassungsschutz der politischen (und damit seiner) Kontrolle entzogen hat, aber Unfähigkeit ist (natürlich, in Deutschland ist man’s auch nicht anders gewöhnt) kein Grund zum Rücktritt. Und Milbradt ist eben ein Zugereister, der nicht begreift was „sein“ Volk denkt und fühlt. Er will die Skandale wohl aussitzen und schweigt einfach, statt ein Krisenmanagement zu organisieren. So versinken wir Tag für Tag ein wenig tiefer im „Sachsen-Sumpf“, den die Radiosender zum Schlagwort gemacht haben, und man schämt sich schon ein bisschen, Sachse zu sein!
13.06.2007 – 8 Heilige auf dem Damm G8 war einmal. In Heiligendamm - was besser Kempinskidamm heißen sollte, denn von dem ehemals charmanten Badeörtchen ist nichts übriggeblieben, seit es das große eingezäunte Kempinski für die Reichen und Schönen gibt - kehrt wieder Normalität ein. Ob der Sicherheitszaun schon abgebaut ist oder Kempinski sein Areal gleich bis an diesen erweitern will weiß ich nicht. Auch sonst hat man kaum etwas vernommen, Frau Merkel hat mit den 7 großen Herren diniert und Ehemann Sauer mit den 7 großen Ehefrauen flaniert. Ansonsten drangen nur Nachrichten von außerhalb des Zaunes an unsere Ohren, die sogenannten G8 - Gegner waren wichtiger und boten mehr Gesprächsstoff als die eigentlichen Protagonisten. Käfighaltung, Wasserwerfer, da konnte man sich doch des Eindrucks nicht erwehren, dass es darum ging, die 100 Millionen Sicherheitskosten zu rechtfertigen. Klar, 1000 Schwerverletzte, davon 500 Polizisten – die Rechtfertiger schienen Recht zu haben. Es passierte zwar in Rostock, fernab der teuren Sicherheitsbauwerke, aber immerhin. Und als die Polizei einräumte, dass die Polizisten die Schwere ihrer Verletzung selber einschätzen durften, kamen doch so manche Zweifel auf. Die wurden noch weiter geschürt, als durchsickerte, dass die Steinewerfer getarnte Beamte gewesen seien, bezahlte Provokateure. Ja, da gab es wenigstens ein paar Schlagzeilen zu der ansonsten irgendwie im Ostseesand versickernden Veranstaltung. Doch laut unserer Kandisbunzlerin war es ein toller Erfolg. Damit Ihr nicht länger im Dunkeln tappen müsst, habe ich mal recherchiert und fasse hier die Ergebnisse zusammen: 1) Man zieht die Bemühungen zur Halbierung der CO2-Emissionen bis 2050 ernsthaft in Betracht (dazu konnte sich sogar Bush durchringen) 2) Im „Heiligedamm-Prozess“ sucht man Kooperation mit Schwellenländern (Heiligendamm ist nun so was wie Potsdam oder Jalta) 3) Afrika soll die 2005 zugesagten Hilfen tatsächlich erhalten (tatsächlich ?) 4) Maßnahmen gegen Markenpiraterie sind notwendig (was in China wohl nicht verstanden wird, gilt es doch dort als Zeichen höchster Ehrsamkeit, wenn ein Schüler seinen Meister exakt kopieren kann) 5) Wachsamkeit gegenüber Hedgefonds ist angeraten (um Heuschreckenplagen ist es ja verdächtig ruhig geworden) 6) Die Konjunktur zieht an (Reiche aller Länder, freut euch) 7) Schwellenländer sollen dem Westen mehr Investitionen erlauben (und mehr Ausbeuter ins Land lassen) 8) Die Atomprogramme Nordkoreas und Irans machen besorgt (und welche Sorgen habt ihr?) Ja, das war’s soweit. Nein, sonst gibt es wirklich nichts weiter, und auch nichts konkreter. Deutschland ist ein bisschen reicher, die Armen haben davon nichts gekriegt, aber wenn 8-fache Genialität so viel heiße Luft produziert darf man nicht kleinlich sein.
25.05.2007 - Die rollende EPOtheke Eine Skandalmeldung jagt die andere. Sind die G8-Gegner militant oder nicht? Sächsische Justiz- und Polizeibeamte in kriminelle Geschäfte und die Rotlicht-Szene verwickelt. Doch die Meldungen sind dürftig, Namen werden nicht genannt, man spürt förmlich die schützende Hand, welche die Politik über dem Sumpf ausbreiten möchte. Und eine freie Presse, die Skandale schonungslos aufdeckt, ist in Deutschland rar. Für die „Freie Presse“ in Chemnitz jedenfalls ist das Thema drittklassig, es werden offizielle Statements verbreitet, eigene Recherchen gibt es nicht. Schlagzeilen auf der Titelseite machen dagegen Zabel, Rijs und Co. Da braucht es ja nicht viel journalistische Leistung, wenn sich die Herren alle selbst auf dem Silbertablett präsentieren. Allein 3 Teamchefs haben sich so geoutet: Rijs, Aldag, Henn. Und nur letzterer zieht Konsequenzen. Die anderen, wie auch einige nicht mehr aktive Fahrer, stellen klar: es waren die Zeiten zwischen 1995 und 2002, da hatte man keine andere Wahl. Alle reden über Zeiten, die sportrechtlich verjährt sind. Keiner redet über heute. Ulrich, Basso, Landis – sie bleiben außen vor. „Wer noch im System ist, kann sich nicht outen, ohne direkt seinen Job zu riskieren", das ist der Hauptgrund für das eiserne Radsport-Gesetz des Schweigens und Wegschauens. Der Sponsor fordert Erfolg. Ohne Erfolg stehe die Zukunft des Teams auf dem Spiel und der Vertrag für den Fahrer wird disponibel. Hier zeigt sich das Dilemma: der Fahrer ist das schwächste Glied in der Kette. Die Verantwortlichen sitzen sich den Hintern im Begleitwagen platt, doch darüber schweigen auch die Medien. Schlimm, dass ein Universitäts-Team, die Freiburger Ärzte, an den Schalthebeln saßen. Generalverdacht hin oder her, während man bisher allein den DDR-Sport mit organisierten Doping-Methoden in Verbindung brachte, zeigt sich nun, das auch anderswo das Thema wissenschaftlich vorangetrieben wurde. Eins ist wohl klar: wo viel Geld von Sponsoren im Spiel ist, ist Doping eine zwangsläufige Folgeerscheinung, zumindest bei allen Sportarten, wo die Physis entscheidet. Weiter ist fragwürdig, warum gerade im Radsport EPO zum Standard werden konnte, ohne dass es aufflog. Da gehört wohl viel Wegschauen dazu, wenn eben viel Geld im Spiel ist. Deshalb kann es nur eine Konsequenz geben: Strafen nicht allein für die Sportler, denen oft das Messer an die Brust gesetzt wird, sondern für die „Unternehmen“, die Teams und ihre Hintermänner.
09.05.2007 – Top 100 ohne Georgie Kennen Sie Tzipi Livni? Nein? Nun, sie ist einen der einflussreichsten Persönlichkeiten dieser Welt! Meint jedenfalls die „Times“ zu Israels Außenministerin. Arnold Schwarzenegger dürfte aber bekannt sein, genau wie Model Kate Moss, Sänger Justin Timberlake, Schauspieler Brad Pitt oder Tennis-As Roger Federer. Was die mit Tzipi Livni gemein haben? Ganz einfach: auch sie zählen zu den einflussreichsten Persönlichkeiten! Wohlgemerkt, es soll nicht um Bekanntheit gehen, sondern um Leute, die die „Welt formen und gestalten“. Was Kate Moss da soll? So genau weiß ich das auch nicht, bei mir hat sie womöglich bewirkt, dass ich ab und an die Klatschspalte lese. Der Roger dagegen hat bei mir keine Wirkung gezeigt, ich finde es immer noch langweilig wenn ein kleiner Ball, den man kaum erkennen kann, stundenlang hin und her fliegt. Aber dann kommen sie doch, die Grand Ladies jedenfalls. Queen Elisabeth, Sonia Gandhi, Hillary Clinton und – jawohl, auch sie gehört dazu – Kanzlerin Merkel, gleich neben Kaiser Franz (ja, der Beckenbauer ist gemeint). Wir sind ja so stolz! Und natürlich, US-Außenministerin Condoleeza Rice steht auch weit oben in der Liste der Top 100, auch Papst Benedikt. Einer aber fehlt, unser smarter Cowboy Georgie. „Er ist eine lahme Ente, und sein Einfluss ist noch geringer als der einer lahmen Ente“ urteilt die Times – Redaktion, die das Ranking in den Kategorien Künstler und Entertainer, Führer und Revolutionäre, Helden und Pioniere, Forscher und Denker sowie Erbauer und Titanen vergibt. US-Präsident Bush hat auf unserem Planeten nichts zu bestellen. Gut, er hat in Irak ein bißchen Krieg gemacht, er hat den Nahen Osten weiter instabilisiert und die islamistischen Terroristen noch mehr angestachelt. Aber so gesehen, hat er nicht wirklich was bewirkt, auf jeden Fall nichts Positives.